Wirtschaft : Ein Preis aus der Grauzone

Verbraucherzentrale rügt Werbung von Rossmann.

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Berlin - Auf den ersten Blick wirken die Geschirrspültabs besonders billig. 4,79 Euro soll die Packung im Angebot kosten, der durchgestrichene Preis von 7,79 Euro suggeriert eine Ersparnis von drei Euro. Doch wer auch das Kleingedruckte auf dem Preisetikett liest, erkennt: Der durchgestrichene Preis ist nur die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers (UVP). Im Laden verkauft wurden die Tabs hingegen zuletzt für 5,95 Euro. Der Verbraucher spart also nur etwas mehr als einen Euro und damit weniger, als die Werbung verspricht.

Angewendet wird dieser Werbetrick derzeit von der Drogeriemarktkette Rossmann, wie die Verbraucherzentrale Hamburg jetzt in einer Untersuchung festgestellt hat. „Das Unternehmen wirbt mit einem realen Preis, den aber keiner kennt“, sagte Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, am Mittwoch dem Tagesspiegel. Damit bewege sich Rossmann in einer rechtlichen Grauzone. Die Verbraucherzentrale Berlin fordert das Unternehmen deshalb jetzt auf, „die unseriöse Preiswerbung einzustellen“.

Das Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe. Das Vorgehen sei „in keiner Weise rechtlich bedenklich“, sagte Unternehmenssprecher Stephan-Thomas Klose auf Anfrage. „Der Händler hat uns die UVP genannt und wir haben diese Information einfach an den Kunden weitergegeben.“ Die Werbung mit der Preisempfehlung des Herstellers sei „ein ganz legitimes Mittel“, Rossmann würde das schon immer so handhaben.

Untersucht haben die Verbraucherschützer die Werbung, nach dem sich einige Kunden beschwert hatten. Sechs Wochen lang hat die Verbraucherzentrale Hamburg die Angebote von Drogerieketten genauer unter die Lupe genommen. Fündig wurden sie nur bei Rossmann. Die Konkurrenten dm und Schlecker warben mit den tatsächlich zuletzt verwendeten Preisen und nicht mit der UVP. Das Vorgehen von Rossmann kann nach Ansicht von Armin Valet von der Verbraucherzentrale Berlin vor allem mit der aktuellen Marktsituation begründet werden: „Der Drogeriemarkt wächst derzeit immer noch, anders als zum Beispiel der Lebensmittelmarkt.“ Damit lässt sich auch erklären, warum in Supermärkten ein solches Vorgehen bislang noch nicht aufgefallen ist. Hinzu komme, dass Rossmann eine „aggressive Preispolitik“ betreibe. Konkurrent dm würde hingegen auf Dauertiefpreise setzen.

Einen Trick können Kunden jedoch anwenden, um herauszufinden, zu welchem Preis das Produkt zuletzt tatsächlich verkauft wurde: Bei Rossmann steckt das Etikett mit dem alten Preis oft noch hinter dem des Angebotspreises. Wer beim Einkauf also genau aufpasst, kann sich zumindest dieser Werbestrategie entziehen. Carla Neuhaus

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