Wirtschaft : Ein Preis für die Zukunft

Köhler zeichnet marktreife Innovationen aus

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Berlin - Was wird für die Zukunft bedeutsamer sein? Piezo- Injektoren, die in neuartigen Dieselmotoren die Ventile steuern, entwickelt von Friedrich Boecking und weiteren Ingenieuren bei Bosch und Siemens VDO? Oder eine „akustische Kamera“, die Schallwellen aufnimmt und damit Lärmschutzmaßnahmen testen kann, entwickelt von Gerd Heinz von der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik in Berlin? Oder der Wirkstoff F 500, der Pilzbefall bekämpft und Pflanzen leistungsfähiger macht, entwickelt von BASF-Forschern um Hubert Sauter? Oder ein Röntgenstrahler, der einem Computertomographen bessere Aufnahmen vom Herzen ermöglicht, gebaut von einem Siemens-Team um Peter Schardt?

Der Laie tut sich schwer mit der Entscheidung, aber die Jury des Deutschen Zukunftspreises hat sich entscheiden müssen: Am heutigen Freitag verleiht Bundespräsident Horst Köhler die Auszeichnung an eines der vier nominierten Teams. Dotiert ist sie mit 250000 Euro. Dabei geht es nicht nur um besonders kluge Erfindungen, sondern auch um ihre Anwendungs- und Marktreife.

Im Rückblick hat die Jury bei dem seit 1997 vergebenen Preis häufig richtig gelegen, zum Beispiel bei Karlheinz Brandenburg, der im Jahr 2000 für die MP3- Technik ausgezeichnet wurde, die heute ihren Siegeszug um die Welt angetreten hat. „Mit einer Idee meines Doktorvaters Ende der 70er Jahre hat es angefangen“, erinnert sich der Forscher, der inzwischen Professor an der Technischen Universität Ilmenau ist. Zunächst sei es nur darum gegangen, Musik per Telefonleitung zu übertragen und dafür das richtige Format zu finden. Dass Deutschland nicht von seiner Erfindung profitiere, weist Brandenburg zurück. Zwar gebe es keine nennenswerte Produktion von MP3-Playern in Deutschland, das Land profitiere aber durch die vielfältige Nutzung des Formats im Internet und durch Lizenzgebühren „in nicht unbeträchtlicher Höhe“, die an die Fraunhofer-Gesellschaft fließen. Und weil er auch ganz persönlich profitiert, hat er eine knappe Million Euro in ein neues Projekt, die Iosono GmbH für Audiotechnologie in Ilmenau, stecken können.

Ein anderes Beispiel ist Kazuaki Tarumi, der für die Darmstädter Firma Merck die Flüssigkristalle für Fernsehbildschirme entwickelt und dafür im Jahr 2003 den Zukunftspreis erhalten hat. Seine Erfahrung ist: „Es gibt immer so viele Aber-Argumente.“ Damit meint der gebürtige Japaner, dass neue Ideen stets auf Bedenkenträger stoßen. Dass Flüssigkristallfernseher vor allem aus koreanischer und japanischer Produktion stammen, schreibt er auch diesem Umstand zu. „Die Koreaner haben nicht gewartet.“ Immerhin verdient Merck sein Geld zu einem großen Teil mit der Entwicklung. mod

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