Wirtschaft : Ein rundes Börsenangebot

Daniel Rhee-Piening

Lange Zeit galt Fussball, schlicht als die wichtigste Nebensache der Welt. Schon längst ist daraus ein großes Geschäft geworden. In der Branche wird nicht mehr nur der runde Ball, sondern es werden mit Spielertransfers, TV-Übertragungsrechten, Werbung und Fan-Artikeln Millionen bewegt. Mit den Umsätzen wächst auch der Kapitalbedarf der Clubs: sie werden zu einem ganz normalen Unternehmen. Die Verantwortlichen, sei es in München, in Dortmund oder Berlin, denken schon seit geraumer Zeit an einen Börsengang.

Da mag man die Kommerzialisierung des Sports beklagen. Sie hat längst Einzug gehalten und der Weg der deutschen Fussballvereine ist konsequenter und offener als manche verdeckte Finanzierung etwa bei den Olympiateilnehmern. Und hat nicht auch die Kultur nicht längst schon die Börse zur Kapitalbeschaffung entdeckt? Sind dort nicht schon Buchhändler, Musicalproduzenten oder Kinofilmverleiher auf dem Kurszettel notiert? Geschadet hat es der Ware offensichtlich nicht. Eher trifft das Gegenteil zu: Kommerzialisierung zwingt allemal zu Effizienz. Und den Anlegern ist es gleichgültig, wo und wie die Dividende verdient wird. Wer in risikoreiche Papiere am Neuen Markt investiert oder mit Holzmann-Aktien spekuliert, kann sein Geld doch auch in den heimischen Fussballverein stecken. Und die neuen Gesellschaften haben zudem eine Besonderheit: Sie dürften die einzigen deutschen Aktiengesellschaften sein, über deren Geschäftsentwicklung an jedem Wochenende in Wort und Bild ausführlich und spannend berichtet wird.

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