Wirtschaft : Ein Sanierer für den Chefsessel

Michael Diekmann hat bereits mehrere Auslandstöchter der Allianz auf Vordermann gebracht

Nicole Adolph

Einen größeren Karrieresprung als Michael Diekmann kann man in der deutschen Wirtschaft kaum machen. Wenn der 47-Jährige im April kommenden Jahres die Nachfolge von Allianz-Chef Henning Schulte Noelle antritt, nimmt er einen der begehrtesten Manager-Jobs im Lande an. Der Chefsessel des Allfinanzkonzerns gilt vor allem wegen der weitreichenden Verflechtung der Allianz mit anderen Unternehmen als besonders gewichtig. Zudem haben die Vorstandschef der Allianz traditionell eine lange Karriere als Nummer Eins: In 112 Jahren Allianz-Geschichte ist Diekmann erst der neunte Unternehmenschef.

Mit seinem Wunschkandidaten holt Schulte-Noelle ein Allianz-Urgestein an die Konzernspitze: Nach einem Jura- und Philosophiestudium in Göttingen hatte der gebürtige Bielefelder seine Karriere 1988 als Assistent des Leiters der Hamburger Allianz-Niederlassung begonnen. Zwei Jahre später stieg er zum Leiter der Niederlassung in Hannover auf. Nachdem er auch leitende Positionen in München und Nordrhein-Westfalen innehatte, wechselte Diekmann 1996 ins internationale Geschäft. Von Singapur aus baute er das Asien-Pazifik-Geschäft des Versicherungskonzerns auf und machte dort mit Erfolgen auf sich aufmerksam: So war er für die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens in China und die Beteiligung der Allianz an der Hana Bank in Seoul zuständig.

Auch die Sanierung der Allianz in Australien kann sich Diekmann auf zuschreiben. 1998 wurde er in den Vorstand berufen. Vor einem Jahr setzte Schulte-Noelle Diekmann wieder als Sanierer ein – diesmal als Chef der defizitären US-Tochter Fireman’s Fund, die vor allem wegen Asbestrisiken unter hohen Lasten leidet. Es gelang Diekmann, die für das Versicherungsgeschäft entscheidende Schaden-Kosten-Quote deutlich auf 103 Prozent zu verbessern.

Im Konzern ist der Vater dreier Kinder bekannt als „harter Kerl, der kein Problem damit hat, durchzugreifen“. Ansonsten heißt es von ihm, er sei sehr teamorientiert und pflege einen offenen und direkten Führungsstil. Führungsstärke wird Diekmann noch oft beweisen müssen, um die gewaltigen Probleme zu lösen, mit denen die Allianz derzeit kämpft. Die größte Herausforderung wird die Restrukturierung der kriselnden Tochter Dresdner Bank sein. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als designierter Vorstandschef machte Diekmann am Mittwoch unmissverständlich klar, dass er am Konzept eines integrierten Finanzkonzerns festhalten will. „Ich werde alles tun, um die Dresdner Bank schnell und effektiv zu integrieren“, versprach er. Dabei stand Diekmann der Übernahme der Bank Beobachtern zufolge nicht besonders wohlwollend gegenüber. Auch von seiner Laufbahn her liegt Diekmann als eingefleischtem Versicherungsmann das Bankgeschäft bisher eher fern.

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