Wirtschaft : Ein Sanierer für Karstadt-Quelle

Christoph Achenbach übernimmt beim angeschlagenen Handelskonzern die Führung

Alfons Frese,Corinna Visser

Berlin - Der in den roten Zahlen steckende Handelskonzern Karstadt-Quelle bekommt einen neuen Chef. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Urban (59) „legt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder“, teilte Karstadt-Quelle am Montag im Anschluss an eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung mit. Das Gremium habe einem Wunsch Urbans entsprochen. Dessen Vertrag war erst im vergangenen Jahr bis 2008 verlängert worden. An Urbans Stelle rückt nun Christoph Achenbach (46). Als Chef der Versandfirmen Neckermann und Quelle gehörte Achenbach bereits dem Vorstand der Karstadt-Quelle AG an. Er gilt als Vertrauter der Quelle-Eigentümerfamilien Schickedanz und Riedel, denen 48,64 Prozent der Aktien von Karstadt-Quelle gehören. Die Börse reagierte auf die Nachricht zunächst positiv. Doch bis zum Handelsschluss verlor die Karstadt-Quelle-Aktie rund 0,4 Prozent auf 16,06 Euro.

Achenbach soll nun den Konzern sanieren und wird dazu das Programm „Challenge“ fortsetzen. Mit Hilfe der Maßnahmen – unter anderem werden Verkaufsflächen umgestaltet – soll das Ergebnis spätestens 2007 um 300 Millionen Euro besser ausfallen als derzeit. Erst vor knapp zwei Wochen hatte Urban ankündigen müssen, dass es in diesem Jahr einen „mittleren zweistelligen Millionenverlust“ geben werde. Im ersten Quartal war der Umsatz um 4,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro gesunken, der Quartalsverlust dagegen um 15 Prozent auf 171 Millionen Euro gestiegen.

Im vergangenen Jahr hatte es immerhin noch einen Gewinn vor Steuern von 225 Millionen Euro gegeben, nach knapp 300 Millionen im Jahr zuvor. Allerdings war bereits 2003 der Umsatz der Kaufhäuser um fünf Prozent auf sieben Milliarden Euro und des Versandhandels um 2,5 Prozent auf acht Milliarden Euro gesunken. Urban hatte es nicht geschafft, diesen Trend zu stoppen. Die von ihm verfolgte Strategie – Shop-in-Shop-Kaufhäuser, Verkauf von Konzernteilen und die Auslandsexpansion von Fachgeschäften wie Karstadt-Sport und Golf House – kam offenbar zu spät. Belastend wirkte sich auch die Krise im Tourismus nach den Terroranschlägen aus. Europas zweitgrößter Reisekonzern Thomas Cook, an dem Karstadt-Quelle und die Lufthansa jeweils 50 Prozent halten, schrieb im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen.

„Karstadt hat es nicht geschafft, ein vernünftiges Konzept für seine Warenhäuser zu entwickeln. Das Einzige, was Urban eingefallen ist, ist, Kosten zu reduzieren. Damit kann man aber nicht erreichen, dass das Geschäft besser läuft“, sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Das Kaufhauskonzept – alle möglichen Waren unter einem Dach – sei 150 Jahre alt und entspreche nicht mehr den Erwartungen der Verbraucher. „Heute ist Shopping ein Hobby, und es ist für die Kunden kein Problem, in zehn Geschäfte zu gehen“, sagte Kurz.

Gerade das mittlere Preissegment, das die Karstadt-Warenhäuser anböten, habe die größten Probleme. „Die Kunden kaufen billig oder suchen nach Exklusivität.“ Zudem kritisiert die DSW die veralteten Warenhäuser: „Viele Häuser sehen noch genauso aus wie in den 70ern.“ Auch die Integration des Versandhauses Quelle sei nicht gelungen. „Es wird eine Mammutaufgabe, das Unternehmen wieder ins Plus zu drehen“, sagte DSW-Sprecher Kurz. Er glaubt, dass der Aktienkurs die tatsächlichen Probleme des Konzerns nicht widerspiegelt. „Es ist ein Rätsel, warum sich der Kurs der Aktie so gut hält.“

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