Ein schlechtes Jahr für die Bahn : Pünktlichkeit der Fernzüge 2013 abgesackt

Hochwasser, Stürme und Kabelklau haben der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr die Pünktlichkeit verhagelt. Hinzu kamen noch hausgemachte Probleme

Carsten Brönstrup
Eine Fahrplan-Anzeige informiert über Zugverspätungen und -ausfälle.
Schlechte Nachrichten. Viele Fahrgäste mussten 2013 im Bahnverkehr warten - mal für ein paar Minuten, mal etwas länger.Foto: Imago

Nur gut sieben von zehn ICE- oder IC-Zügen der Deutschen Bahn sind im vergangenen Jahr pünktlich gefahren. 73,9 Prozent waren weniger als sechs Minuten nach der im Fahrplan ausgewiesenen Zeit im Bahnhof, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Wert bedeutet eine enorme Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr, als noch knapp acht von zehn Fernzügen pünktlich fuhren. Den Tiefpunkt gab es im Juni, als die Pünktlichkeit auf 65,1 Prozent absackte.

Die Bahn machte für die Probleme vor allem höhere Gewalt verantwortlich. Vor allem die fünf Monate dauernde Sperre der Schnellstrecke von Hannover nach Berlin sorgte für Verwerfungen. Ein Elbdeich war im Zug des Hochwassers im Juni gebrochen und hatte die Trasse, eine der wichtigsten im deutschen Netz, unter Wasser gesetzt. Über Wochen mussten Züge Umwege nehmen, die Fahrzeiten verlängerten sich um bis zu eine Stunde. Vor allem Reisen von und nach Berlin waren davon betroffen. Allerdings habe man nur die Verletzung des üblichen Fahrplans als Verspätung gewertet, nicht aber den Notfahrplan, der für mehrere Wochen Bestand hatte.

Überdies machte die Bahn „viele heftige Unwetter“ für die Probleme verantwortlich. Ende Oktober hatte etwa Sturm „Christian“ in Norddeutschland zahlreiche Oberleitungen beschädigt, einige Verbindungen waren tagelang unterbrochen. Hinzu kamen noch instabile Bergwerkstollen nahe dem Essener Hauptbahnhof, streckenweise konnten Züge nur mit fünf Stundenkilometern passieren. Aber auch das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof dürfte eine Rolle gespielt haben. Wegen Personalmangels in einem Stellwerk konnten Fernzüge tagelang dort nicht halten Doch selbst an normalen Tagen hatte die Bahn in diesem Jahr Probleme - rund 200 Fernzüge pro Woche gingen aus verschiedenen Gründen gar nicht erst auf die Strecke, heißt es im Unternehmen. Generell gilt der Wagenpark der Bahn als veraltet und anfällig. Neue Züge vom Typ ICE 3, die Siemens derzeit mit zwei Jahren Verspätung liefert, sollen nun Abhilfe schaffen.

Im Nahverkehr liegt die Pünktlichkeit generell höher, weil auf den kurzen Strecken nicht so viel passieren kann. 94,6 Prozent der Züge fuhren hier pünktlich, nur etwas weniger als im Vorjahr. Für 2014 strebt die Bahn eine Verbesserung an. Man wolle im Fernverkehr konstant über 80 Prozent kommen, sagte Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg. Man werde es aber weiterhin mit viel Verkehr auf den Hauptstrecken und Engpässen in den Knotenpunkten zu tun haben, schränkte er ein.

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