Wirtschaft : Ein schlechtes Zeugnis für Berlin

DANIEL RHEE-PIENING

Um Berlins Wirtschaft steht es wahrlich nicht zum Besten.Nicht nur die Arbeitslosigkeit, die im Bundesdurchschnitt einen traurigen Spitzenwert erreicht, spricht für sich.Die jüngsten Zahlen des Wirtschaftssenators belegen die Misere ebenfalls drastisch: Das Land Berlin kann für 1998 als als einziges der Bundesrepublik keine ansehnlichen Wachstumsraten vorzeigen: Berlin schrumpft.Und nun hat auch noch die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz eine bemerkenswerte Liste vorgelegt: Sie zählt die 50 Aktiengesellschaften mit den schlechtesten Ergebnissen des Jahres 1998.Auf ihr finden sich vier Berliner Unternehmen - prozentual deutlich mehr als der Beitrag Berlins zum deutschen Sozialprodukt.

Sicherlich: Reichelt, der Einzelhändler, mag als lokaler Anbieter von der schlechten wirtschaftlichen Lage besonders betroffen sein - ihm bleibt praktisch keine Ausweichmöglichkeit im immer härter werdenden Konkurrenzkampf im Lebensmitteleinzelhandel.Aber für die anderen Unternehmen gilt: Ihre Produkte werden bundesweit oder sogar weltweit vertrieben.Bei ihnen gilt immer noch eine alte Weisheit

Wenn sie in die Krise schlittern, liegt der Verdacht nahe, daß dies nicht nur am Standort Berlin liegt.Der ehemalige Wirtschaftssenator Elmar Pieroth hat einmal gesagt, Berliner Unternehmer hätten nie gelernt ihre Waren zu verkaufen.Sie haben sich immer auf die Berlinförderung verlassen.Vor dem Fall der Mauer konnte man seine Gewinne auf dieser Basis ziemlich genau kalkulieren.Doch diese Zeiten sind vorbei.Der Abbau der Subventionen mag etwas abrupt gewesen sein.Er hat vielen Unternehmen nicht genügend Zeit gelassen, sich umzustellen und manche Firma zu Abwanderung oder sogar in die Pleite getrieben.Doch dieser Einschnitt liegt Jahre zurück.Er läßt sich nicht mehr als Entschuldigung anführen.Auch der Hinweis, daß sich die Politik nur noch um Neuansiedlungen und zu wenig um den Bestand gekümmert habe, sticht nur bedingt.

Es liegt der Verdacht nahe, daß es eben doch das Management gewesen ist, daß zum wenig schmeichelhaften Abschneiden der bekannten Berliner Namen geführt hat.Wenn sie dies nun bemängeln, nehmen die Aktionäre nicht nur ihre eigenen Interessen sondern auch diejenigen Berlins wahr.



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