Wirtschaft : Ein sehr guter deutscher Jahrgang für einen umkämpften Markt

bm

Der deutsche Weinbau muss sich im neuen Jahrtausend auf einem immer schwierigeren Weltmarkt behaupten, der zunehmend durch die Globalisierung geprägt wird - und er bringt dafür dank des Jahrgangs 1999 gute Voraussetzungen mit. Dies ist die Botschaft, die der neue Geschäftsführer des Deutschen Weininstituts, Armin Göring, gestern vor der Presse in Berlin anlässlich der bevorstehenden Grünen Woche verkündete.

Göring hat Grund zur Zufriedenheit, denn die Weine des Jahrgangs 1999 ruhen sämtlich sicher in Fässern und Flaschen, und sie haben nahezu alle Wünsche der Produzenten erfüllt. Der überwiegend warme, bis in den Oktober anhaltende Sommer hat hohe Mostgewichte bei dezenter Säure gebracht, und vor allem stimmt zum ersten Mal nach mehreren kargen, von Spätfrösten beeinträchtigten Jahren die Menge wieder. 12,8 Millionen Hektoliter sind ein Ertrag weit über dem langjährigen Durchschnitt, und das Angebot wird lückenlos vom einfachen Landwein bis zu Beerenauslesen und einigen Eisweinen reichen.

Aus der Sicht des Geisenheimer Marktforschers Dirk Haupt ist der deutsche Weinmarkt durch gegenläufige Tendenzen gekennzeichnet. Einerseits ist der durchschnittliche Einzelhandelspreis für Wein seit 1993 von rund fünf auf sechs Mark pro Liter gestiegen, und deutsche Erzeugnisse liegen noch etwa 50 Pfennig höher. Andererseits ist der Marktanteil des deutschen Weins mengenmäßig von 62 auf jetzt nur noch 49 Prozent gesunken - was nicht nur am massiven Vordringen der Weine aus Spanien und Übersee liegt, sondern auch an den mageren Inlandsernten der späten 90er Jahre. Alle Erzeugerländer haben davon profitiert, dass Wein in Deutschland gegenwärtig das einzige Getränk ist, dessen Verbrauch zunimmt: Jeder Deutsche trinkt pro Jahr durchschnittlich 18 Liter, dazu 5 Liter Schaumwein.

Nach Haupts Auffassung wird sich in Deutschland der Trend zu trockenen Weinen und Rotweinen weiter verstärken. Die Winzer hätten diesem Trend durch Ausweitung der Rebflächen für rote Sorten Rechnung getragen. Dennoch seien "strategische Neuausrichtung und kundenorientierte Positionierung einheimischer Produkte längst überfällig"; gemeint sind damit neben geschmacklichen Trends vor allem eine international wirkende Optik und einfachere Bezeichnungen.

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