Wirtschaft : Ein Spanier aus Prag für Deutschland

Der zurückhaltende Jaime Smith wird O2-Chef

Kilian Kirchgeßner

Prag - Zwei Jahre brauchte Jaime Basterra Smith, um seinen Ruf zu festigen: Als „Mann für unlösbare Aufgaben“ gilt der 41-jährige Spanier beim Telekommunikationskonzern O2, für den er jetzt die Leitung des Deutschlandgeschäfts übernimmt. Bislang war er Vorstandsvorsitzender von Telefónica O2 in Tschechien. Dort hat er innerhalb von zwei Jahren den staatlichen Telefonkonzern zu einem integrierten Telekom-Anbieter umgebaut und den Aktienkurs deutlich nach oben getrieben. Seinen Erfolg in Tschechien soll er jetzt in Deutschland wiederholen: Mit neuen Paketangeboten will das Unternehmen hier zusätzliche Kunden gewinnen, nachdem das vergangene Geschäftsjahr hinter den Erwartungen zurückblieb.

In der Branche gilt der öffentlichkeitsscheue Jaime Smith als Chef mit einer kreativen Ader. „Er hat ein glückliches Händchen für neue Produkte“, sagt ein Brancheninsider. Dieses Geschick hat ihm in Tschechien einen Erfolg beschert, den Analysten zuvor nicht für möglich hielten: Er führte den Festnetzmonopolisten Cesky Telekom und den größten tschechischen Mobilfunkanbieter Eurotel unter dem Dach von Telefónica O2 zusammen. Bei den Kunden punktete er vor allem mit Komplettangeboten. Gleich nach seinem Amtsantritt in Tschechien überzog Jaime Smith das ganze Land mit einer millionenschweren Werbekampagne, in der er Pakete aus Telefon, Handy, Breitbandinternet und Fernsehen anpries – und traf damit genau den Nerv der Tschechen, die nach entbehrungsreichen Jahren einen Heißhunger auf moderne Technologie hatten.

Inzwischen hat Smith trotz einer Entlassungswelle sogar die tschechischen Gewerkschaften auf seiner Seite. „Er ist ein Mann, der sehr kultiviert mit den Mitarbeitern umgeht und sein Wort hält, wenn er es einmal gegeben hat“, heißt es beim tschechischen O2-Betriebsrat. Ein impulsiver Manager sei der Spanier nicht.

Zu seinen Sympathiewerten in Tschechien trug sicherlich auch ein geschickter PR-Schachzug am Anfang seiner Amtszeit bei: Sein Großvater, sagte Smith bei einem seiner raren Zeitungsinterviews, habe tschechische Wurzeln. Auch sein Elternhaus war international geprägt: Jaime Smith wurde in Bilbao geboren, seine Mutter ist Spanierin, der Vater stammt aus Irland. Studiert hat Smith in Spanien und Großbritannien.

Als größter Erfolg des Managers gilt, dass er in Tschechien die deutlichen Einbrüche in der Festnetzsparte durch ein starkes Wachstum der anderen Geschäftsfelder ausgleichen konnte. Im vergangenen Jahr stieg der Vorsteuergewinn der tschechischen Gesellschaft sogar um mehr als 25 Prozent, obwohl der Konzernumbau gerade in vollem Gange war. Selbst kriselnde Sparten konnte Smith mit statistischen Tricks gut kaschieren: So tilgte er etwa die rückläufige Zahl der Festnetzanschlüsse aus der Bilanz, indem er die Mobilfunk- und die Festnetzsparte kurzerhand zu einem neuen Geschäftsbereich zusammenführte, für den er nur noch das Gesamtergebnis auswies.

Sein Erfolg hat Smith nun den O2-Vorstandsposten in Deutschland beschert. Wie schon bei seinem Amtsantritt in Prag sind die Erwartungen trotz der schwierigen Ausgangslage hoch. Der kleinste der vier Mobilfunkanbieter hat auf dem umkämpften deutschen Markt eine schwierige Position, im vergangenen Quartal verzeichnete das Unternehmen erstmals einen Umsatzrückgang. Smith will nun eine neue Wachstumsstrategie umsetzen, in der kombinierte Angebote von DSL-Internetanschlüssen und Mobiltelefonen eine Schlüsselrolle spielen.Kilian Kirchgeßner

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