Wirtschaft : Ein Standort wird sich durchsetzen

CORINNA VISSER

Die erste deutsche Strombörse wird ihren Sitz in Frankfurt am Main haben. Das ist seit dem späten Donnerstag abend entschieden. Fraglich ist nur, ob sich mit der Entscheidung für Frankfurt und gegen die Mitbewerber Leipzig, Hannover und Düsseldorf das bessere Konzept durchgesetzt hat.

Frankfurt hat eine enorme Kompetenz, das ist unbestritten. Die Basis für das elektronische Handels- und Abwicklungssystem ist vorhanden, qualifizierte Mitarbeiter sind vor Ort, um in Zukunft Strom zu kaufen und zu verkaufen wie Aktien oder Schweinehälften. Außerdem hat die Finanzmetropole mit der amerikanischen Terminbörse Nymex und der europäischen Eurex starke Partner. Aber mit dem interessantesten Segment, dem kurzfristigen und tagesaktuellen Handel von überschüssigen Kapazitäten, wollen sich die Frankfurter noch Zeit lassen.

Gerade der Spothandel aber würde den Markt richtig in Bewegung bringen. Und hier will Leipzig jetzt trotz der Bonner Entscheidung einsteigen. Auch die Sachsen haben einen namhaften Partner: die skandinavische Strombörse NordPool, die erfolgreichste der 15 Strombörsen der Welt. Leipzig will kämpfen und die "Leipzig Power Exchange" schon im März 2000 starten. Es wird also nicht nur mehr Wettbewerb zwischen den Stromversorgern, sondern auch unter den Börsen geben.

Das ist gut. Denn im Wettbewerb gewinnen die, die schnell, flexibel und zuverlässig sind. Das sind nicht immer die, denen die Politiker am meisten zutrauen. Auf die Dauer wird es in Deutschland nur eine Strombörse geben können. Aber es ist allemal besser, wenn der Wettbewerb entscheidet, wo die sitzt. Die Politik wäre gut beraten, nicht die Standorte zu bestimmen, sondern die Bedingungen für den Wettbewerb auf dem Strommarkt zu verbessern.

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