Wirtschaft : Ein Streik an der Autoindustrie vorbei Bei BMW wird diese Woche nicht gearbeitet

München - Die IG Metall lässt ihre Muskeln spielen. Bundesweite Warnstreiks, die bei früheren Tarifauseinandersetzungen vor allem die Autoindustrie getroffen haben, sollen möglichst acht Prozent mehr Lohn erzwingen. Schon stehen beim Münchner Luxuswagenbauer BMW die Bänder aller vier bayerischen Werke still. Das geht allerdings nicht auf das Konto der Gewerkschaft. BMW hat vielmehr eine Woche Betriebsferien verordnet, um die Produktion wegen einbrechender Nachfrage zu bremsen.

Getroffen von der Absatzschwäche ist fast die komplette heimische Autoindustrie, was der IG Metall ausgerechnet bei der größten Tarifforderung seit 16 Jahren wichtige Angriffsfläche raubt.

Hinter den Kulissen gibt sich die Branche von BMW über Bosch und Continental bis Daimler und Opel bei der Aussicht, demnächst bestreikt zu werden, betont entspannt. „Streik? Nur zu, das tut uns zurzeit nicht sonderlich weh“, heißt es bei einem Branchenriesen. „Die Aufregung hält sich in engen Grenzen“, stellt man bei einem anderen Konzern klar. „Es gibt derzeit wahrlich Schlimmeres als einen Streik“, meint ein Dritter.

Der IG Metall ist die Problematik bewusst. „Das macht die Sache nicht leichter“, räumt Sprecherin Ingrid Gier ein. Druckmittel gebe es trotzdem genügend. Dann würden diesmal eben andere Branchen wie der Maschinenbau verstärkt bestreikt. Die IG Metall stehe auf mehreren Füßen und könne flexibel reagieren. „Die alte Taktik funktioniert diesmal nicht“, stellt dagegen ein Vertreter der Autobranche klar. Bei früheren Gelegenheiten habe die IG Metall mit relativ geringem Aufwand einige Kfz-Zulieferer lahm gelegt und damit bei den Herstellern Schaden anrichten können. Nun müsse sie auf weniger spektakuläre Betriebe ausweichen und mehr einsetzen, um Gleiches zu erreichen. Wenn es dumm laufe, finanziere die IG Metall sogar über ihre Streikkasse die von den Firmen sowieso geplante Drosselungen der Produktion.

Derzeit ruft die IG Metall in einzelnen Betrieben zu mehrstündigen Warnstreiks auf. Dafür gibt es noch kein Streikgeld. Die Lohnabzüge trägt der einzelne Mitarbeiter. Erst nach einer Urabstimmung käme es zu einem Arbeitskampf, während dem die Streikenden auf Gewerkschaftskosten entschädigt werden. „Das könnte sich positiv für uns auswirken“, meint die Sprecherin eines Konzerns. 2009 wird für die Autohersteller und ihre Zulieferer nach allgemeiner Einschätzung ein Krisenjahr. Außer der VW- Tochter Audi steht praktisch die gesamte Zunft hier zu Lande bereits auf der Bremse. Das Sindelfinger Mercedes-Werk ist von Mitte Dezember bis Mitte Januar vier Wochen dicht. Verlängerte Betriebsferien und Produktionsstopps gibt es auch bei Opel, in einigen Bosch- und Continental-Werken und anderswo in der Schlüsselindustrie. tmh

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