Wirtschaft : Ein Tag pro Woche

Eine Firma in Darmstadt motiviert die Angestellten durch Weiterbildung.

Claudia Obmann

Eine Mitarbeiter-Befragung brachte es ans Licht: Um auf die Schnelllebigkeit der IT-Branche rascher mit eigenen Innovationen reagieren zu können, wünschte sich die Belegschaft des Darmstädter Systemhauses Profi Engineering Systems AG, mehr Freiräume. „Die Kollegen wollten sich während der Arbeitszeit intensiv mit neuen Themen und Trends beschäftigen können", sagt Personalvorstand Lutz Hohmann. So entstand die Idee, einen Tag pro Woche für Weiterbildung zu reservieren.

Ob Fachlektüre im stillen Kämmerlein oder gemeinsamer Kursbesuch, ob Online-Training zum Kompetenznachweis gegenüber Kunden oder akademischer Titel an der Uni – persönliche Fortbildung wird im 340-Mann-Unternehmen großgeschrieben und auch finanziell unterstützt. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter sich schlaumachen und neues Wissen rasch an die Kollegen weitergeben“, sagt Hohmann. Um etwa schnell an Expertise zu Zukunftsthemen wie Cloud Computing oder Soziale Netzwerke zu gewinnen und daraus ein neues Geschäft zu machen, schließen sich die Mitarbeiter, die ein Thema interessiert, selbst zu bereichsübergreifenden Interessengruppen zusammen. So wird die Kommunikation untereinander angefacht.

„In solchen Teams zeigen sich außerdem rasch Wissensträger, die dann entweder selbst Schulungen für die Kollegen abhalten oder externe Trainer anfordern“, beschreibt Christian Hantrop seine Erfahrungen. „Und zwar ohne lange Vorläufe oder bürokratische Genehmigungsverfahren“, fährt der erfahrene Berater fort, der im achten Jahr bei Profi Engineering Systems arbeitet.

2012 wurde das Systemhaus mit dem Top-Job-Siegel für mittelständische Arbeitgeber ausgezeichnet. Das Wissen der Mitarbeiter ist der Schlüssel zum Erfolg. Für externe Schulungen gibt es in dem Unternehmen, dessen Umsatz zuletzt bei 134 Millionen Euro lag, ein Jahresbudget von rund einer halben Million Euro. „Rechnen wir noch Zeit- und Personalaufwand für interne Schulungen, die unsere Mitarbeiter geben, dazu, kommen wir auf rund zwei Millionen Euro.“

Was belegt wird, entscheidet jeder selbst. „Unser Gründer hat immer Leute um sich geschart, die eigenverantwortlich arbeiten wollten.“ 1984 wurde die Profi Engineering Systems von Udo Hamm aus der Uni Darmstadt ausgegründet. Vor einiger Zeit hatte Hamm einen Unfall, steht für öffentliche Auftritte nicht zur Verfügung.

Jenseits von Bits und Bytes ist auch der Anti-Stress- oder der Erste-Hilfe-Kurs im Angebot, aber „der berufliche Bezug sollte gegeben sein“, sagt Hantrop. Und Personalvorstand Hohmann ergänzt: „Aber wir prüfen nicht, wie und wann sich Kollegen bilden – das wäre kontraproduktiv zu unserem Ansatz der Eigenverantwortung." Claudia Obmann (HB)

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