Wirtschaft : Ein Team für alle Energien

Bei den „eZeit-Ingenieuren“ planen und bauen Architekten, Sachverständige und Haustechniker Hand in Hand

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Denken ganzheitlich. Dietmar Deunert,
Denken ganzheitlich. Dietmar Deunert,

Geht es um Sonnen-, Wind- oder Erdenergie, Wasserkraft oder gespeicherte Energie in Form von Biomasse, ist Taco Holthuizen in seinem Element. Der Architekt baut mit seinen Kollegen Häuser, bei denen erneuerbare Energien eine wichtige Rolle spielen. Wer darin wohnt oder arbeitet, hat monatlich niedrigere Energiekosten und benötigt nur noch geringe Mengen an Erdgas oder Öl. Ein Stadthaus, das beispielsweise jährlich nur noch vier anstatt 25 Liter Heizöl pro Quadratmeter verbraucht, spart außerdem große Mengen des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) ein.

Diese Bauweise ist für Taco Holthuizen und seine Mannschaft Programm: Nachhaltiges, energie- und ressourceneffizientes Bauen. Der gebürtige Schweizer, der 1997 das Architekturbüro Holthuizen in Wilmersdorf gründete, rief im September 2009 mit dem Haustechniker Dietmar Deunert die Gesellschaft „eZeit-Ingenieure“ ins Leben. Beide verbindet eine lange Erfahrung und eine mehr als zehnjährige Zusammenarbeit. Zum Team gehören Architekten, Statiker, Bausachverständige, Gutachter, Immobilienbewerter, Finanzberater sowie Ingenieure für Haus-, Lüftungs- und Wärmepumpentechnik und Fotovoltaik.

„Wir schließen eine Marktlücke, weil wir für energetisch optimierte Bauvorhaben alles aus einer Hand bieten“, sagt Geschäftsführer Holthuizen, dessen Frau Corinne für die Entwürfe zuständig ist. In der Regel werde erst der Architekt, dann der Haustechniker und zum Schluss die Bank gefragt. Wesentlich wirtschaftlicher sei es jedoch, bereits bei der Planung alle Aspekte zu berücksichtigen. Deshalb verstehen sich die Ingenieure von „eZeit“ als ein kompetentes Netzwerk. Je nach Auftrag und Kunde bilden sie ein Team aus Spezialisten. Nachhaltiges Bauen bedeutet für sie, ganzheitlich zu denken und zu planen – und das vom städtebaulichen Großprojekt bis zum Wärmebrückendetail.

Zu ihren Projekten zählen Einfamilienhäuser, Industriehallen, Gebäude für Banken und die Regierung, aber auch die Sanierung denkmalgeschützter Häuser. 2009 sanierten sie beispielsweise das Hauptgebäude der Wasserschutzpolizei in Spandau. Die Gebäudehülle aus Betonfertigteilen wurde mit einer bis zu 18 Zentimeter dicken Dämmung versehen, die Fenster ersetzt und der Innenbereich ebenfalls mit Dämmmaterialien ausgestattet. Zum Heizsystem gehören ein sogenannter Schichtenspeicher mit Gasbrennwerttechnik, eine Solaranlage und eine Lüftungsanlage mit Abluftwärmepumpe. Da es die passende Wärmepumpe für eine effektive Anlagentechnik nicht gab, entwickelte Holthuizen sie mit zwei Kollegen selbst. Im Gegensatz zu Luftwärmepumpen, die Außenluft erwärmen, nutzt ihr Modell die bereits im Gebäude befindliche, etwa 20 Grad warme Abluft. „Bei gleicher Nutzung können mit diesem Energiekonzept im Vergleich zur alten Gebäudesubstanz jährlich 90 Tonnen CO2 eingespart werden“, sagt der 43-Jährige.

Die gewünschte energetische Sanierung plante er so, dass sich der finanzielle Mehraufwand nach fünf bis maximal zehn Jahren amortisiert. Das Geheimnis seiner Energiekonzepte lautet: Dämmung plus Technik. Zusammen mit Haustechniker Deunert und weiteren Spezialisten entwickelte Holthuizen bereits zahlreiche bautechnische Elemente. Dazu zählen energieeffiziente Heiz- und Dämmsysteme, Energiespeicher, hochdämmende Leichtflächentragwerke für Industriehallen sowie Lüftungs- und Kühlungsanlagen. Das Gebäude der Wasserschutzpolizei ist das erste Objekt in Berlin, das mit Geldern aus dem staatlichen Konjunkturpaket II fertiggestellt wurde.

Energieoptimiert baut Holthuizen bereits seit über 13 Jahren. „Damals haben uns die Leute ausgelacht“, sagt er. Doch die Spezialisierung hat sich gelohnt. Heute braucht er keinen Bauherrn mehr von seinen ganzheitlichen Konzepten zu überzeugen. Aufgrund gestiegener Energiepreise und der Klimaerwärmung ist das Know-how der „eZeit-Ingenieure“ gefragt.

Dass ihre Häuser auch gut aussehen, ist für sie selbstverständlich. Eines davon war 2008 als Messeschaustück auf der Bautec zu sehen. Innerhalb von drei Tagen hatte das Team ein komplettes Plusenergiehaus aufgebaut. Diese Bezeichnung steht für ein Gebäude, das mehr Energie produziert als seine Bewohner für Heizung, Strom und Warmwasser verbrauchen. Solarenergie, Erdwärmepumpen und eine gute Dämmung sorgen dafür, dass das Haus mit wenig Energieaufwand warmgehalten werden kann.

Neu waren diese Details auch 2008 nicht, nur konsequent zusammengeführt, damit Immobilien gute Energiebilanzen erreichen. Doch auch hier ist die Mischung aus Dämmung und Technik der Schlüssel zum Erfolg. Überschüssige Wärme, die im Sommer produziert wird, bleibt in einem Erdspeicher erhalten. Ist zu wenig Wärme gespeichert, reagiert die Erdwärmepumpe. Dazwischengeschaltete Ventile steuern je nach Temperatur die benötigte Energie.

Vor dem Hintergrund begrenzter fossiler Brennstoffe, der globalen Klimaerwärmung und der CO2-Diskussion, ist für Taco Holthuizen energetisch optimiertes Bauen eine ökonomische Notwendigkeit. „Wir leben auf Kosten zukünftiger Generationen, eine der nächsten Wirtschaftskrisen wird mit Sicherheit durch die Energiepreissteigerung ausgelöst“, sagt der zweifache Familienvater, der zu den Gründungsmitgliedern der Stiftung Desertec für nachhaltige Stromversorgung gehört. Die Baubranche habe eines der größten Potenziale, die CO2-Emissionen bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken.

Im Internet:

www.ezeit-ingenieure.de

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