Wirtschaft : Ein Team-Player in Turbulenzen

Kai-Uwe Ricke hat zu lange gezaudert

Corinna Visser

Berlin - Das Lächeln kommt nicht automatisch. Erst als die Fotografen ihn auffordern, zieht Kai-Uwe Ricke einen Mundwinkel hoch. Mehr ist nicht drin. Um mehr als zehn Prozent ist die T-Aktie am Donnerstagmorgen abgeschmiert. Das sitzt dem Telekom-Chef ganz offensichtlich in den Knochen. Er wirkt abgekämpft und müde. Nicht einmal er scheint an diesem Tag von seiner Botschaft überzeugt: „Es muss Spaß machen, mobil zu telefonieren“, sagt er ohne jede Zuversicht in der Stimme. „Die paradiesischen Zeiten für die Wettbewerber sind zu Ende“, droht er in mattem Ton.

Auf die Frage, was er zu Gerüchten sagt, dass sein Vertrag im Herbst vielleicht nicht verlängert würde, sagt er knapp: „Ich bin bereit, das Team ist bereit, und der Vorstand ist bereit, die Herausforderung anzunehmen.“ Im November 2002 hat Ricke seinen Posten angetreten. Auch da lag der Aktienkurs am Boden, die Telekom litt unter einem riesigen Schuldenberg. Ricke kündigte an, nicht alles anders, aber vieles besser als sein Vorgänger Ron Sommer zu machen. Sommer hatte das Image eines Sonnenkönigs, der einsame Entscheidungen trifft. Ricke gilt als Team- Player, öffentliche Auftritte schätzt er nicht.

Nach den Turbulenzen rund um Sommers Abgang hat Ricke Ruhe in den Konzern und die Telekom wieder auf einen guten Weg gebracht – Schulden sind kein Thema mehr, im Jahr 2005 erzielte die Telekom einen Rekordüberschuss von 5,6 Milliarden Euro. Im Aktienkurs schlägt sich das jedoch nicht nieder.

Immer lauter werden die Stimmen, die Ricke vorwerfen, er habe keine überzeugende Strategie, wie er den Konzern erfolgreich durch den härter werdenden Wettbewerb steuern will. Mehrmals sagte Ricke am Donnerstag, die Telekom müsse ihre Hausaufgaben machen. Aber wer gibt sie auf? „Ricke wartet ab, was die anderen Unternehmen tun, er geht nicht voran“, sagt ein Kritiker. Zudem scheue Ricke vor radikalen Lösungen zurück.

Tatsächlich gibt es immer noch viele Baustellen im Konzern, die er nicht konsequent angeht. Die von einigen Aktionären lange blockierte Wiedereingliederung von T-Online mag den Konzern gebremst haben. Das ist jedoch keine Entschuldigung dafür, dass sich die einzelnen Sparten regelrecht bekämpfen, statt gemeinsam um Kunden zu werben. „Die hassen sich untereinander“, sagt ein Beobachter. Es ist ein schweres Versäumnis, dass Ricke das nicht in den Griff bekommt.

Viele Vorwürfe gegen den Telekom- Chef lassen sich nicht nachvollziehen. So ist es politisch gewollt, dass die Telekom Marktanteile verliert. Das ist auch in anderen Ländern so. Und viele Wettbewerber haben die Gewinnwarnungen einfach nur früher ausgesprochen und hinter sich gebracht.

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