Wirtschaft : Ein teurer Abschleppdienst (Kommentar)

Alfons Frese

Als die deutschen Autohersteller 1993/94 in eine schwere Krise fuhren, nahm ein Unternehmen eine andere Richtung: BMW blieb im schwarzen Bereich, während die anderen in die roten Zahlen rutschten. Ob sich das bei dem bevorstehenden Absatzrückgang wiederholen wird? Wie damals hat die Marke BMW auch heute noch ein hervorragendes Image und erwirtschaftet so große Margen, um auch schwierige Zeiten überstehen zu können. BMW ist eben kein Massenhersteller, der sich mit Preisnachlässen und Zusatzausstattungen um die Kunden balgen muss. Aber anders als damals schleppen die Münchener heute Rover mit. Und das über Märkte, die zumindest in Westeuropa weitgehend gesättigt und von Überkapazitäten gekennzeichnet sind. Dieser Abschleppdienst kostet viel Geld und Geduld. Und ob er zum Ziel führt, nämlich zur Sanierung der britischen Tochter, ist noch keineswegs ausgemacht.

1998 kam Rover auf einen Verlust von rund 1,9 Milliarden Mark, im vergangenen Jahr dürfte die Ziffer ähnlich groß gewesen sein. Von den Milliardeninvestitionen gar nicht zu reden. Doch an den Investitionen hängt die erste Unwägbarkeit: Nach langen Verhandlungen hatte sich BMW mit der britischen Regierung auf eine Rover-Modernisierung im Volumen von 2,2 Milliarden Mark geeinigt, wovon die Briten rund 450 Millionen Mark tragen wollen. Doch die EU hat Bedenken gegen die Subvention; würde sie verboten, dürfte das Rover-Engagement insgesamt überdacht werden. Immer negativer wirkt sich auch die Nicht-Mitgliedschaft der Briten in der Euro-Zone aus. Der hohe Pfund-Kurs hat nicht nur die Rover-Exporte behindert, sondern gleichzeitig den Preis von Importwagen gedrückt: Rover verkaufte im vergangenen Jahr rund 20 Prozent weniger Pkw auf dem Heimatmarkt, während etwa VW gut 20 Prozent mehr Autos in England absetzte. Schlappe Autokonjunktur, Druck auf Massenhersteller, Währungsnachteile und gefährdete Beihilfen - für Rover hat ein ganz schweres Jahr begonnen.

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