Wirtschaft : Ein teurer Feldzug

Ein Jahr nach Beginn des Krieges im Irak trägt Amerika noch immer schwer an den Kosten

Peter DeThier

Washington. Mit der gewaltsamen Entmachtung Saddam Husseins wollte George W. Bush die Welt sicherer machen vor Terrorismus. Ökonomen aus seinem Beraterkreis rechneten vor einem Jahr in mühsam konstruierten Modellen aus, ein kräftiger Konjunkturaufschwung würde folgen.

Die republikanischen Volkswirte hatten sich das einfach vorgestellt: Wenn Amerikaner keine Terroranschläge mehr befürchten, dann sitzt ihnen das Geld wieder locker in der Tasche. Da die Steuerrückerstattungen das verfügbare Einkommen in fast jedem Haushalt um mehrere hundert Dollar erhöhten, würden US-Verbraucher, auf die fast zwei Drittel der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage entfällt, dem nächsten Konsumrausch verfallen. Der kumulative Konsumeffekt wurde mit mehr als 80 Milliarden Dollar beziffert. Unternehmen würden wieder kräftig investieren. Steigende Einkommen und Unternehmensgewinne würden dann zu einer Verbreiterung der Steuerbasis führen und den Fiskus wieder in die schwarzen Zahlen führen. Der aufkommende Optimismus würde auch die Aktienmärkte wieder in ungeahnte Höhen katapultieren. Das ökonomische Traumszenario sollte rechtzeitig greifen, um George W. Bush im November dieses Jahres die Wiederwahl zu garantieren.

Ökonomisches Traumszenario

Sieht man von dem Zinstief ab, haben sich die kühnen Prognosen der Regierung als leere Worthülsen entpuppt. Lediglich die Aktienmärkte zogen kräftig an. So bewegt sich der Dow-Jones-Index dieser Tage rund zehn Prozent über dem Stand vom 20. März 2003. Gleichwohl nimmt die Nervosität auch an der Börse erkennbar zu.

Und die ökonomischen Rahmenbedingungen, viele sind zumindest indirekt das Ergebnis des Irak-Krieges, lassen wenig Optimismus aufkommen. Die Wirtschaftsleistung der weltgrößten Volkswirtschaft legte im vierten Quartal 2003 „nur“ um vier Prozent zu, im dritten Quartal waren es noch 8,2 Prozent. Im ersten Halbjahr 2004 erwarten Ökonomen weiter abflachendes Wachstum. Steigende Ölpreise, ein gigantischer Rüstungshaushalt und ein Haushaltsdefizit, das nach Regierungsprognosen in diesem Jahr 520 Milliarden Dollar überschreiten könnte, werden die US-Konjunktur nach unten drücken. Angesichts des stagnierenden Arbeitsmarkts spricht man in den USA schon jetzt von einem „joblosen Aufschwung“ .

Nun hat auch noch das Congressional Budget Office der Öffentlichkeit vor Augen geführt, wie teuer der Krieg und die anschließende Besatzung sind – keine gute Werbung für Bushs Wiederwahl. So hat das militärische Engagement im Irak bis heute mehr als 108 Milliarden Dollar gekostet. Jeden Monat fallen weitere 5,46 Milliarden Dollar an. Da der Krieg überwiegend über Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit finanziert wurde, die mit etwa fünf Prozent pro Jahr verzinst werden, beläuft sich allein der Schuldendienst auf 1,56 Milliarden Dollar pro Monat. Rechnet man diese Zahlen hoch, dann könnte bis zum Jahresende der „Etatposten“ Irak fast ein Drittel des Haushaltsdefizits ausmachen. Und in diesen Kalkulationen sind jene 87 Milliarden Dollar, die der Kongress im Zuge eines Nachtragshaushalts zur Kriegsfinanzierung bewilligt hat, noch gar nicht berücksichtigt. Besonders schmerzhaft wird für die US-Wirtschaft der Anstieg der Rohölpreise sein, der sich mit der für April angekündigten Produktionskürzung durch die Opec beschleunigen könnte. Wie das Foreign Policy in Focus (FPIF) vorrechnet, würde ein Anstieg des Ölpreises um zehn Dollar pro Barrel (159 Liter) das Wachstum in den USA um einen halben Prozentpunkt drücken und die Inflationsrate um einen Prozentpunkt erhöhen.

Heute, ein Jahr nach Kriegsbeginn, ist klar, dass das Engagement im Irak nur wenigen Branchen genützt hat – allen vorweg der Rüstungsindustrie. So verdienten nach vorläufigen Zahlen im Vorfeld des Krieges Konzerne wie Lockheed Martin rund17 Milliarden Dollar, Boeing etwa 16,6 Milliarden Dollar und Northrop Grumman schätzungsweise 8,7 Milliarden Dollar. Ähnliches gilt für amerikanische Ölmultis oder den Mischkonzern Halliburton, bei dem Vizepräsident Dick Cheneys früher gearbeitet hat. Deren Produktpalette umfasst alles von der Technologie zur Wartung und Modernisierung irakischer Ölförderanlagen über private Sicherheitsdienste bis hin zu Fertigmahlzeiten für die amerikanischen Truppen.

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