Wirtschaft : Ein Tummelplatz für mutige Börsianer

Die Skeptiker sahen sich in ihren Vorbehalten bestätigt: Als der Neue Markt am 10.März 1997 in Frankfurt (Main) startete, wurden dort gerade einmal zwei Unternehmen notiert.Es waren die Bertrandt AG und die Mobilcom AG.Die Deutschen kopierten mit dem Marktsegment ein Modell, das in den USA unter dem Namen Nasdaq (National Association of Securities Dealers Automated Quotation) zu diesem Zeitpunkt bereits seit über zwanzig Jahren Erfolge feierte.Doch einer der Väter, Reto Francioni, damals zuständiges Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, war von Anfang an davon überzeugt, daß dies der Markt der Zukunft sein werde.

Mit dem Neuen Markt sollte jungen, aufstrebenden Unternehmen - sogenannten Small- und Mid-caps - die Gelegenheit geboten werden, ihre Eigenkapitalbasis zu verbreitern und Investitionen zu finanzieren.Ein erfolgreicher Börsengang, so die Überlegung der Initiatoren, steigere zudem den Bekanntheitsgrad der Unternehmen und ihr Ansehen.Auf der anderen Seite sollte Anlegern die Möglichkeit geboten werden, für risikobereites Kapital hohe Renditen zu erzielen.Die Zulassungshürden für den Neuen Markt sind relativ gering.Erforderlich ist beispielsweise die Mindestexistenz des Unternehmens seit drei Jahren, in Ausnahmefällen ist jedoch auch ein früherer Börsengang möglich.Der Emittent muß zwei Betreuer stellen, die als sogenannte Market Maker eine Mindestliquidität der Aktie sichern.Hier war die Resonanz bei den Banken von Anfang an groß.Rund 20 bekundeten ihr Interesse.Das Unternehmen muß ferner ein Eigenkapital von mindestens 1,5 Mill.Ecu mitbringen und eine Marktkapitalisierung von fünf Mill.Ecu anstreben.Um eine möglichst hohe Transparenz zu erreichen sind die Unternehmen verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse innerhalb von vier Monaten nach Geschäftsjahresende in Deutsch und Englisch zu veröffentlichen, wobei die Rechnungslegung nach IAS oder US-Gaap erfolgen muß.Auch bei den Gebühren kommt man den Unternehmen entgegen.Sie betragen nur ein Viertel der Gebühren für die Aufnahme in den Amtlichen Handel.Für ausländische Unternehmen ermäßigen sie sich nochmals um die Hälfte.

Der Neue Markt war zwar zunächst national ausgerichtet, doch von Anfang an hatten seine Initiatoren auch den europäischen Verbund im Auge.Zum "Euro.NM" gehören heute der Nouveau Marché in Paris mit über 70 Werten und die kleineren Nieuwe Markt in Amsterdam sowie der Euro.NM Belgium in Brüssel.Die Börse in Mailand sucht über Paris die Anbindung.

Heute nähert sich die Zahl der am Neuen Markt notierten Titel mit schnellen Schritten der Marke von 60.Vertreten sind am Neuen Markt derzeit vor allem Ein-Produkt-Unternehmen aus den Bereichen Computertechnologie, der Telekommunikation und der Elektrotechnik.Die Bewertung der Aktien ist nicht einfach, was sich nicht zuletzt an den starken Kursschankungen zeigt.Häufig ist das Wachstumpotential der Gesellschaften der stärkste Einflußfaktor.Er wirkt stärker auf den Kurs als die gegenwärtige Geschäftssituation.Doch trotz der hohen Volatilität läßt sich feststellen, daß die Entwicklung am Neuen Markt insgesamt günstiger verlief als bei den Dax-Titeln.

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