Wirtschaft : Ein umstrittener Kompromiss Europäisches Parlament pocht auf Nachbesserung

Brüssel - Applaus klingt anders: Enttäuscht haben das Europaparlament und die EU-Kommission auf den Gipfelbeschluss der EU-Staaten zum europäischen Finanzrahmen für die kommenden sieben Jahre reagiert. Der schärfste Gegenwind kommt aus dem Europaparlament. Die Volksvertreter müssen das Budget am Ende genehmigen. Die vier größten Fraktionen von Konservativen, Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen erklärten bereits am Freitag unmittelbar nach dem Gipfelende, sie akzeptierten die Ergebnisse nicht.

Der Fraktionschef der Sozialisten, Hannes Swoboda, kündigte am Samstag im Deutschlandradio Kultur an, das Parlament werde das Budget möglicherweise „zerpflücken“. Fraglich sei, ob der neue Etat tatsächlich genug Mittel für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, das Studenten-Austauschprogramm Erasmus sowie gemeinsame Forschung und Entwicklung vorsehe. „Wenn nicht, wird man auch da nachverhandeln.“

Der Grünen-Europaabgeordnete und Verkehrspolitiker Michael Cramer forderte, die knapper werdenden Mittel müssten besser ausgegeben werden. Die drohende Kürzung im EU-Verkehrsetat sei das Signal: „Statt unerschwingliche Baudenkmäler, brauchen wir den Lückenschluss dort, wo seit dem Zweiten Weltkrieg grenzüberschreitende Verbindungen gekappt oder vernachlässigt wurden.“

Auch in den Augen vieler EU-Kommissare ist das Gipfelergebnis ein enttäuschender Sparkompromiss. „Das ist viel schlechter als der Vorschlag, der aus der EU-Kommission gekommen ist“, sagte Haushaltskommissar Janusz Lewandowski dem polnischen Sender TVN 24. Lewandowski hofft nun auf Unterstützung aus dem Europaparlament, um Nachbesserungen durchzusetzen. „Das Europaparlament hat keinen Anlass, mit diesem Budget zufrieden zu sein.“ EU-Regionalkommissar Johannes Hahn zeigte sich erleichtert, dass die zähen Endlosverhandlungen überhaupt Ergebnisse lieferten. Doch auch er zeigte sich enttäuscht, dass die Staats- und Regierungschefs seinem Politikbereich weniger Gelder zugestanden, als von der Kommission gefordert. „Einige Vorkehrungen dieser Einigung drohen dringend benötigte Investitionen für Wachstum vor Ort zu verzögern“, kommentierte Hahn. dpa

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