Wirtschaft : Ein Vermögen zum Verwalten

Die Reichen bringen ihr Geld zu Privatbanken

Stefan Kaiser

An Geld mangelt es den Deutschen nicht. 4,2 Billionen Euro Geldvermögen besaßen sie insgesamt laut Bundesbank im vergangenen Jahr – rund fünfmal so viel wie vor 25 Jahren. Wohin mit dem Geld? Wer es nicht ins Ausland schafft, der bringt es in der Regel zum Vermögensverwalter.

„Vor allem in den vergangenen eineinhalb Jahren hatten wir hohe Mittelzuflüsse“, sagt Thomas Liebe von der größten deutschen Privatbank Sal. Oppenheim. Ein Grund sei die gute Entwicklung an den Kapitalmärkten, erklärt Liebe. „Es gibt aber auch einen Trend bei Vermögenden, ihr Geld Spezialisten anzuvertrauen.“ 136 Milliarden Euro betreut das Kölner Bankhaus. Allein im ersten Halbjahr 2006 ist das Volumen um 13 Milliarden Euro angestiegen.

Vermögensverwalter sind keine Adressen für Kleinanleger. Eine Million Euro gilt bei Sal. Oppenheim als Orientierungsgröße, die man mitbringen sollte. Bei anderen geht es schon bei 500 000 Euro los. „Viele Kunden kommen auf Empfehlung“, erzählt Christian G. Liste, Niederlassungsleiter beim Bankhaus Delbrück Bethmann Maffei in Berlin. „Die Vermögenden kennen sich untereinander.“

Bei Delbrück können sich die Reichen ebenfalls zu Hause fühlen – und sie bekommen individuellen Service. „Wir bieten sogar Wertpapiere an, die wir extra auf die Bedürfnisse eines einzelnen Kunden zuschneiden“, erklärt Liste. 2,5 bis fünf Millionen Euro müssen aber schon angelegt werden, damit sich das lohnt. Auch Liste berichtet, dass sein Haus immer mehr Geld anzieht. „In den beiden vergangenen Jahren ist das Volumen um zwei Milliarden Euro gestiegen.“

Anders als in anderen Ländern müssen sich die Vermögensverwalter in Deutschland darauf verlassen, dass die bereits Vermögenden noch mehr Geld ansammeln. Neue Reiche kommen weniger hinzu. Laut „World Wealth Report“ der Unternehmensberatung Capgemini und der US-Investmentbank Merrill Lynch ist die Zahl der Dollar-Millionäre hierzulande im vergangenen Jahr nur um ein knappes Prozent gestiegen – auf 767 000. Zum Vergleich: In Großbritannien und den USA nahm sie um rund sieben Prozent zu.

„Das meiste kommt von Kunden aus alten vermögenden Familien“, bestätigt Christian G. Liste von Delbrück. In Berlin kämen 80 Prozent seiner Klientel aus dem Westteil der Stadt. Seine Privatkunden bestehen im Prinzip aus zwei Gruppen: „Klassische Privatiers, die ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, und Geschäftsführer oder Vorstände, die nicht die Zeit haben, sich selbst um ihre Geldanlage zu kümmern.“ Ähnliches hat auch Thomas Liebe von Sal. Oppenheim beobachtet. Auch bei seinen Kunden gibt es wenig Veränderungen „Die Bindungen zu unserem Haus werden oft über Generationen weitergegeben.“

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