Wirtschaft : Ein VW im Porsche

-

Von Alfons Frese

Was hat sich Ferdinand Piëch wohl dabei gedacht? Der frühere VWChef, Autofreak und Porsche-Großaktionär hat sich ein Auto bestellt, den neuen Geländewagen Cayenne von Porsche. Das ist nichts ungewöhnliches, in Piëchs Fuhrpark gibt es viele Autos. Aber warum kauft er sich den Porsche-Cayenne mit der Innenausstattung des VW-Touareg? Die merkwürdige Kaufentscheidung Piëchs weist hin auf das hohe Risiko mit dem Cayenne. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking selbst spricht von der „größten Herausforderung in der Unternehmensgeschichte“. Das kann schon sein, denn mit dem Geländewagen schafft sich Porsche nach dem 911 und dem Boxster nicht nur eine dritte Baureihe. Vielmehr steht mit dem Cayenne die Einzigartigkeit der Marke Porsche auf dem Spiel: Der Wagen wurde gemeinsam mit VW entwickelt und wird – bis auf den Motor – auch von VW gebaut. Das Cayenne-Werk in Leipzig, in dem die angelieferten Module zusammengeschraubt werden, ist mit einer Fertigungstiefe von unter zehn Prozent nicht viel mehr als ein Auslieferungszentrum. Das aber spricht gleichzeitig auch für die Cleverness von Wiedeking, der eben mit der niedrigen Fertigungstiefe einen großen Teil der Risiken bei den Lieferanten lässt. Im Übrigen konnte der Porsche-Chef der Versuchung nicht widerstehen, mit dem Cayenne in den USA das Geld von der Straße zu holen. Mercedes (M-Klasse) und BMW (X5) verdienen dort satte Margen mit ihren Geländewagen. Der Markt ist so groß, dass auch für Porsche und VW noch was zu holen ist. Aber vermutlich nicht so viel, dass Wiedeking sein großes Absatzziel von 100000 Porsche im Jahr erreichen wird. Dazu müsste er noch ein vierte Baureihe auf den Markt bringen – doch dafür ist das Risiko zu groß. Jedenfalls vorerst.

0 Kommentare

Neuester Kommentar