Wirtschaft : Ein warmer Regen für die Daimler-Aktionäre

Sonderausschüttung von 20 DM je Aktie geplant / Anschließend Kapitalerhöhung um 7,4 Mrd.DM STUTTGART (fmd/ws/HB/rtr).Die Daimler-Benz AG will ihre rund 500 000 Aktionären mit einer Sonderausschüttung von 10,3 Mrd.DM erfreuen.Diese setzt sich aus 7,4 Mrd.DM Gewinnrücklagen und 2,9 Mrd.DM Steuervorteilen zusammen, die durch die Ausschüttung entstehen.Im Rahmen einer Kapitalerhöhung sollen die Aktionäre allerdings die 7,4 Mrd.DM umgehend wieder dem Unternehmen zurückgeben.Sparerschützer lobten die Pläne.Andere Unternehmen erklärten, sie erwägten derzeit kein ähnliches Vorgehen.Was Kritiker schon lange angemahnt hatten, wird jetzt umgesetzt.Die Anteilseigner des größten deutschen Industrieunternehmens sollen in den Genuß einer Sonderausschüttung aus Gewinnrücklagen von 20 DM je Aktie kommen.Anschließend ist jedoch eine Kapitalerhöhung geplant.Der Aufsichtsrat muß diesem "Schütt-aus-hol-zurück"-Verfahren am 3.April noch zustimmen.Den letzten Segen soll der Plan auf der Hauptversammlung am 27.Mai erhalten.Die Großaktionäre des Konzerns, die Deutsche Bank AG (22 Prozent) sowie das Land Kuwait (13 Prozent), hätten bereits signalisiert, die Kapitalerhöhung in vollem Umfang mitzutragen, sagte Finanz-Vorstand Manfred Gentz gegenüber dem Handelsblatt.Zweifel an der Bereitschaft der Aktionäre, Kapital zu zeichnen, hat auch Konzernchef Jürgen Schrempp nicht: "Eine Teilnahme an der Kapitalerhöhung bietet unseren Aktionären die Chance, auch weiterhin an den günstigen Ertragsperspektiven von Daimler-Benz teilzunehmen." Die Kapitalerhöhung werde kurz nach der Dividendenausschüttung Ende Mai in Gang gesetzt.Der Ausgabekurs werde sich dabei am Börsenkurs orientieren, sagte Gentz.Da das "Schütt-aus-hol-zurück"-Verfahren für den Konzern finanziell neutral gestaltet werden soll, könnten jetzt noch keine Angaben zu den Bezugsrechten gemacht werden.An der Kapitalausstattung des Unternehmens werde sich nichts ändern, lediglich die Zusammensetzung verschiebe sich: Gewinnrücklagen werden durch gezeichnetes Kapital ersetzt.Gentz deutete an, daß Daimler im Jahr 1999 auf die Stückaktie umstellen wird.Ein entsprechender Vorratsbeschluß soll bereits in diesem Jahr gefaßt werden.Wenn sich die Anteilseigner an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligen und "keine Kasse" machen, verbleibt bei ihnen ein Betrag von 2,9 Mrd.DM.Das ist die Differenz, die sich aus den unterschiedlichen Steuersätzen für wiederangelegte Gewinne (50 Prozent) und ausgeschüttete Gewinne (30 Prozent) ergibt.Überdies wird den inländischen Aktionären noch eine Steuergutschrift eingeräumt, die sich auf 3/7 der Sonderausschüttung beläuft, also je Aktie 8,60 DM beträgt.Die zur Ausschüttung anstehenden Gewinnrücklagen von 7,4 Mrd.DM stammen aus den ertragsstarken 80er Jahren und sind mit 50 Prozent besteuert.Anlaß für die Sonderausschüttung ist die bis Ende 1998 gesetzlich vorgeschriebene Umgliederung der mit einem Steuersatz von 50 Prozent belasteten, einbehaltenen Gewinne - das sogennannte EK 50 - in niedriger versteuertes Eigenkapital (EK 45).Die Auswirkungen für den Fiskus werden sich nach Einschätzung von Gentz in Grenzen halten.Das Unternehmen sei verpflichtet, eine Kapitalertragsteuer mit entsprechendem Solidaritätszuschlag einzubehalten, was auf ein Volumen von rund 2,7 Mrd.DM hinauslaufe.Über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren, "wenn alle individuellen Steuererklärungen" bearbeitet seien, könne im Endeffekt eine Mindereinnahme von 700 Mill.DM eintreten.Für die Daimler-Aktionäre ist die geplante Sonderausschüttung bereits die zweite Überraschung.Vor gut einer Woche hatte das Unternehmen eine Dividendenerhöhung auf 1,60 (1,10) DM verkündet.Auf die Nachricht von der Sonderausschüttung reagierte die Aktie mit erneuten Kursgewinnen.

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