Wirtschaft : „Ein Wegzug der Bahn gefährdet unsere Berlin-Pläne nicht“

Bombardier-Deutschlandchef Baur über die Entwicklung des Geschäfts und das Engagement in der Region

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Herr Baur, Bombardier hat einen großen Auftrag für S-Bahn-Züge bekommen. Was bedeutet das für Ihr brandenburgisches Werk Hennigsdorf?

Bis Ende 2006 war die Beschäftigung in Hennigsdorf schon vorher gesichert. Der neue Auftrag – im Konsortium mit Alstom – ist ein wichtiger Baustein dafür, dass dies auch in das Jahr 2007 hinein gilt. Das Werk Hennigsdorf hat die Federführung. Für das Gesamtjahr reicht der S-Bahn-Auftrag zwar allein nicht aus, aber wir sind deutlich optimistischer, was die Auslastung nach 2006 angeht.

Allerdings diskutiert die Bundesregierung über eine deutliche Kürzung der Regionalisierungsmittel, die teilweise auch in neue Regionalzüge gesteckt wurden. Welche Folgen hätte das für Ihre Aufträge?

Wir gehen weiterhin von einer angespannten Lage im Markt aus. Dieses Jahr gab es zwar eine Erholung, die aber nicht so stark wie erwartet ausfiel. Auch Einschnitte bei den Regionalisierungsmitteln würden sich tendenziell negativ auswirken. Aber wie sehr sie das Geschäft der Bahnindustrie betreffen, ist noch nicht klar. Natürlich wird es weiter Bestellungen geben. Züge haben eine Haltbarkeit von 25 bis 30 Jahren. Da kann man die Erneuerung vielleicht zwei, drei Jahre strecken. Aber irgendwann muss es Ersatz geben. Uns bereitet allerdings große Probleme, dass Bestellungen immer wieder in Wellen kommen, wir unsere Werke also nicht gleichmäßig auslasten können.

Können Sie das nicht durch flexiblere Tarifverträge und Arbeitszeitkonten auffangen?

Das geht bis zu einer Schwankung von plus minus zehn Prozent, aber nicht – wie gerade erlebt – bei einem Einbruch bei den Aufträgen von 40 Prozent.

Auch wenn die Inlandsnachfrage schwächelt, kamen doch vor allem aus dem Ausland in den vergangenen Jahren mehr Bestellungen...

Stimmt. Aus Deutschland wird es wohl erst 2010/2012 neue Bestellungen für Hochgeschwindigkeitszüge geben. Derzeit überholt die Deutsche Bahn ja die erste ICE-Generation und kauft keine neuen Züge. Aber Spanien zum Beispiel investiert massiv, nachdem dort die Infrastruktur ausgebaut wurde. Kürzlich haben wir ein neues Konzept für einen Hochgeschwindigkeitszug vorgestellt, das maßgeblich in Deutschland entwickelt wurde. Wird das Angebot im Markt gut aufgenommen, profitiert auch die Entwicklungsabteilung in Hennigsdorf. Dort findet ein Großteil des Engineerings statt, also der Entwicklung, aber auch der Anpassungsarbeiten für die Züge an die Anforderungen, die von Land zu Land unterschiedlich sind.

Wie sieht es mit Ihrer neuen Weltzentrale in Berlin aus, nachdem die Konzernspitze der Deutschen Bahn, Ihrer größten Kundin, wegziehen könnte?

Es gibt ein klares Bekenntnis zu Berlin. Wir ziehen in die neue Zentrale am Schöneberger Ufer. Hier wird die Weltzentrale von Bombardier Transportation sein. Einen der wichtigsten Kunden quasi gegenüber zu haben, entbehrt nicht eines gewissen Charmes. Aber davon macht Bombardier nicht seine Unternehmensentscheidungen abhängig. Im Übrigen: Wir fahren gerne auch von Berlin nach Hamburg.

Das Interview führte Bernd Hops.

Klaus Baur

ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bombardier Transportation GmbH und

damit für das Deutschlandgeschäft des

kanadischen Konzerns zuständig

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