Wirtschaft : Ein Wunschjahrgang für Winzer

MICHELLE SCHMITZ

BERLIN .Die deutschen Winzer sind zufrieden.Nach drei mageren Jahren fahren sie dieses Jahr wieder ertragreiche Ernten ein.Die Winzer aus den dreizehn Anbaugebieten sind sich einig, wie die Deutsche Presse Agentur ermittelt hat: Der 1998er Jahrgang falle reichlich und gut aus.Zum Ende der Lese stehe nun fest, daß mit über zwölf Mill.Hektolitern zu rechnen sei, verkündete das Deutsche Weininstitut (DWI) in Mainz.Die mäßigen bis kleinen Ernten der letzten drei Jahren lagen im Durchschnitt bei 8,5 Mill.Hektolitern, also deutlich unter dem diesjährigen Ergebnis.Endlich können von den Preislisten der Erzeuger die Stempel "ausgetrunken" entfernt werden, die in den vergangenen Monaten zunehmend die Angebote zierten.

Von den guten Ernteergebnissen sind viele Winzer überrascht.Zwar rechnete man mit besseren Erträgen als in den Vorjahren, aber die endgültigen Resultate verblüfften dennoch.Wegen des heißen Wetters im August hatten die Experten die Vorhersagen für die Lese zunächst nach unten korrigiert.Sonne und Hitze hatten vielen Trauben einen "Sonnenbrand" beschert und sie verdorren lassen.Aber die Ernte kann sich sehen lassen: außerordentlich gute Qualitäten, hohe Mostgewichte und eine harmonische Säure dank reifer und gesunder Trauben, bestätigen ihr Experten.Letztendlich retteten der frühe Austrieb der Reben und die damit verbundene lange Reifezeit sowie die üppigen Regenfälle in der ersten Septemberhälfte die Trauben.Vor allem die deutsche Hauptsorte Riesling bewies, daß sie wetterbedingten Streßsituationen standhalten kann, so das Deutsche Weininstitut.Aber auch aus anderen Sorten, wie Silvaner, Kerner oder Dornfelder und Lemberger seien hervorragende 1998er zu erwarten.

Der Anteil der Prädikatsweine fällt dieses Jahr allerdings geringer aus - so zumindest das Urteil der Winzer.Rheinhessen etwa, das größte deutsche Anbaugebiet, wartet nach eigenen Angaben mit einem Weinjahrgang von "Klasse und Masse" auf.Der Weinfreund könne sich auf sehr gute Qualitätsweine freuen, allerdings mit einem im Vergleich zum Vorjahr kleineren Prädikatsweinanteil, berichten die Winzer.In der Pfalz sieht die Situation ähnlich aus.Mit der Qualität sind die pfälzischen Winzer "sehr zufrieden".Dennoch gibt es kleine Einschränkungen.Zwar haben die Weine im Schnitt ein Mostgewicht von 70 Grad Oechsle, was über der Schwelle für Qualitätsweine von 60 Grad liegt.Aber es gebe nicht soviel Spitzenweine, etwa Spät- und Auslesen, wie im vergangenen Jahr, sagt Klausjürgen Müller vom Weinbauverband Pfalz.1997 sei der Oktober sehr schön gewesen.Da hätten die Trauben lange hängen können.Das sei dieses Jahr eben nicht möglich gewesen.Auch in dem kleinsten Anbaugebiet Deutschlands, das sich in Sachsen zwischen Pillnitz und Seußlitz über 320 Hektar erstreckt, rechnen die Winzer mit einer guten Qualität, aber mit einem gesunkenen Prädikatsweinanteil.1997 fiel Sachsens Erntemenge zwar dürftig aus, dafür entstanden aber qualitativ sehr hochwertige Weine.Nur von der Nahe heißt es, es werde in diesem Jahr einen hohen Anteil an Prädikatsweinen geben.

Was die Preise betrifft, so müssen Weinfreunde in diesem Jahr wegen des ausreichenden Mengenangebots keine Preissteigerungen befürchten.Also alles recht positive Aussichten für den Weinliebhaber.Zum Wohl.

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