• Einbruch des Umsatzvolumens: Die plötzliche Stille der deutschen Direkt-Broker - Analysten gehen von Stabilisierung auf hohem Niveau aus

Wirtschaft : Einbruch des Umsatzvolumens: Die plötzliche Stille der deutschen Direkt-Broker - Analysten gehen von Stabilisierung auf hohem Niveau aus

ali/fs

Es ist stiller geworden um die Direktbroker in Deutschland. Das mag daran liegen, dass die Häuser stark in ihre ehrgeizigen Projekte eingebunden sind. Die Comdirect Bank AG etwa bastelt nach dem Börsenstart an ihrer Expansion nach Großbritannien. Und die Consors Discount Broker AG sucht nach Verbündeten für ihre Leitbörse für Privatanleger. Die Zurückhaltung der vergangenen Wochen kann aber auch an fehlenden positiven Nachrichten liegen. So dürfte das Wachstum im laufenden Quartal einen erkennbaren Knick aufweisen.

Analysten erwarten zwar noch immer einen etwas geringeren Zuwachs bei der Kundenzahl. Die Umsätze dürften aber rückläufig tendieren. Darauf lassen Daten vom Neuen Markt schließen, der Lieblings-Spielwiese für Direktbrokerkunden. Im April brach das Umsatzvolumen am Wachstumsmarkt gegenüber dem Vormonat um 40 Prozent ein, der Mai gab mit einem weiteren Minus von 15 Prozent weiter nach.

Dennoch verstoßen die Fondsmanager und Analysten die Aktien der drei großen Spieler Comdirect, Consors und Direkt Anlage Bank nicht. Die Wachstumsstory der Zunft bleibe intakt. Bis Ende diesen Jahres rechnen die Experten von HSBC Trinkaus mit 1,9 Millionen Online-Depots allein in Deutschland. Bis zum Jahr 2003 sollen es schon sieben Millionen sein. "In der Branche steckt noch Potenzial", urteilt Georg Kanders, Analyst der WestLB Panmure. Doch diese Aussage will er nicht für alle Werte gelten lassen.

In das gleiche Horn stößt Philipp Häßler von der BHF Bank. "Wir waren skeptisch und sind es immer noch." Verglichen mit amerikanischen Online-Brokern sind die deutschen Spieler zu teuer. Auf Basis der Marktkapitalisierung vom 31. März etwa wurde die amerikanische E-Trade mit 2000 Euro je Kunde bewertet. Eine Consors lag zum gleichen Zeitpunkt bei dem mehr als fünffachen. Consors sei mit 62 Euro (derzeit:knapp 103 Euro) fair bewertet. Börsenneuling Comdirect hält WestLBAnalyst Kanders für "angemessen bewertet". Tendenziell sei Comdirect mit rund 34 Euro fair bewertet, sagt dagegen Manfred Piontke von der Deutschen Bank.

Der Broker-Favorit sitzt jedoch in München. WestLB-Experte Kanders empfiehlt die Aktie der Direkt Anlage Bank (DAB) zum Kauf. Das Kursziel (Kurs aktuell: knapp 40 Euro) liege bei 48 Euro. Kanders sieht die Münchener am besten gerüstet für die "zweite Welle" der Onlinebroker-Kunden. Das sind diejenigen, die auch größere Beträge in die Hand nehmen, etwa für die Altersvorsorge. Zwar seien diese Kunden weniger aktiv, dafür aber stabiler. Den Experten überzeugt auch die Strategie der DAB, mit eigenen Shops etwa in Kaufhäusern nicht nur virtuell erreichbar zu sein. "Der US-Broker Charles Schwab gewinnt mittlerweile den Großteil seiner Neukunden in seinen Shops", sagt Kanders. Da sei es verschmerzbar, wenn die DAB noch nicht so weit mit ihrer Auslandsexpansion sei. Anders sieht es erneut die BHF Bank, die an eine faire DAB-Bewertung bei 33 Euro glaubt.

Die Entrium-Aktie galt lange als das hässliche Entlein. Doch seit Jahresanfang hat das Papier stärker zugelegt als Consors und Konsorten. Als Erklärung dafür machte bereits das Gerücht die Runde, die Banca Populare di Brescia kaufe heimlich Stücke auf, um den Broker zu schlucken. Vielleicht hat Anleger aber einfach das Argument überzeugt, dass Entrium von allen Online-Brokern mit 7,6 Prozent die höchste Eigenkapitalrendite erwirtschaftet (Consors: fünf Prozent, DAB sieben Prozent) - auch wenn die Ex-QuelleBank nur 91 000 Online-Brokerage-Depots führt (Kunden insgesamt: 80 3000). Kanders rät, Kursrückschläge zum Einstieg zu nutzen.

Fimatex firmieren auf dem deutschen Markt mit knapp 19 000 Kunden nur unter "ferner liefen". Trotz einer guten Technik und eines relativ hohen Werbeaufwands liege das Hauptproblem darin, dass der Name keinen richtigen Klang habe, so Analyst Piontke von der Deutschen Bank.

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