Wirtschaft : Einbußen für Berliner Visteon-Arbeiter

Frühere Ford-Tochter will weniger Weihnachtsgeld und Zuschläge zahlen/Konzern ist Sanierungsfall

Alfons Frese

Berlin - Die mehr als 600 Berliner Mitarbeiter des Autozulieferers Visteon müssen sich auf weniger Geld einstellen. Um das weltweit tätige Unternehmen zu sanieren, sollen die Kosten gesenkt werden, sagte Visteon-Deutschland-Sprecherin Britta Lange dem Tagesspiegel. Visteon gehörte früher zum amerikanischen Ford-Konzern. Vor fünf Jahren trennte sich Ford von der Tochter, die nun an der Börse notiert. Weltweit beschäftigt Visteon rund 50000 Mitarbeiter, darunter 3000 in Deutschland. Neben Berlin gibt es hier zu Lande Produktionswerke in Düren, Wülfrath, Emden und Glauchau.

Die Visteon-Geschäftsführung in Deutschland will den Beschäftigten das Urlaubsgeld (bislang 55 Prozent eines Monatslohns), das Weihnachtsgeld (100 Prozent) und übertarifliche Zulagen streichen. Nach Angaben von Güray Sen, Betriebsratssekretär im Berliner Werk, bekommen die Beschäftigten eine Zulage von 13 Prozent, was bis zu 400 Euro im Monat ausmachen würde. Die Belegschaft im Werk an der Lichterfelder Wupperstraße lehne denn auch Geldeinbußen strikt ab. Bei den Verhandlungen, die am kommenden Montag zwischen Gesamtbetriebsrat und Geschäftsführung beginnen, wollen die Betriebsräte eigene Sparvorschläge präsentieren. Sen zufolge ist etwa eine längere Arbeitszeit denkbar. Bei der Berliner IG Metall hieß es, man werde das Sanierungskonzept der Visteon-Geschäftsführung prüfen. Die Gewerkschaft wolle in jedem Fall das Tarifniveau sichern.

Die frühere Ford-Tochter Visteon steckt seit langem in roten Zahlen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres betrug der Verlust 1,6 Milliarden Dollar, im Vorjahreszeitraum waren es 1,4 Milliarden Dollar. Anfang Oktober hatte Visteon 23 nordamerikanische Betriebe mit 18000 Mitarbeitern an die alte Mutter Ford zurückgegeben, da diese Betriebe ausschließlich für Ford arbeiten. Der Verkaufserlös ist wesentlicher Bestandteil der Sanierungsanstrengungen. Ferner bemüht sich Visteon, die Abhängigkeit von Ford zu reduzieren.

Visteon ist spezialisiert auf Fahrzeugklimatisierungen, Innenraumausstattung, Elektronik und Beleuchtung. Im Berliner Werk werden Kunststoffteile wie das Armaturenbrett produziert. Ähnliche Produktionswerke hat Visteon in Südeuropa, baut aber derzeit eine Fabrik für Innenraumteile in der Slowakei, um dort den koreanischen Autohersteller Hyundai zu beliefern. Die Kürzungspläne in Berlin stünden indes in keinem Zusammenhang mit dem Kapazitätsaufbau in der Slowakei, betonte Unternehmenssprecherin Lange. Bei der Umsetzung der Sparpläne drückt Visteon aufs Tempo und will womöglich schon das Weihnachtsgeld in diesem Jahr streichen: „Die Maßnahmen werden auf jeden Fall noch vor dem Jahresende greifen“, glaubt Lange.

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