Wirtschaft : Eine Absage an pure Größe

DANIEL RHEE-PIENING

Aus dem schon fest geplanten drittgrößten deutschen Versicherungskonzern mit dem Namen Vion wird nichts. Die Mitgliedervertreter der HUK-Coburg haben der Fusion mit dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie in letzter Minute eine Absage erteilt. Pure Größe, soviel ist klar, war nicht ihr Ziel. Neue Risiken im Rückversicherungsgeschäft mochten sie ihren Mitgliedern nicht zumuten. Einen Vorgeschmack darauf, wie schwierig die Zusammenarbeit hätte werden können, lieferten zudem bereits die erbitterten Auseinandersetzungen über den Firmensitz des geplanten Konzerns. Vielleicht erschien den Vertretern aber auch der noch mit Defiziten im Marketing kämpfende HDI als der eigentliche Nutznießer des Zusammenschlusses.So ließen sie sich von der Fusionwelle im Finanzsektor und den Berechnungen der Analysten nicht beeindrucken. Sie setzen auf die Stärken und die Überschaubarkeit des eigenen Unternehmens. Leicht ließe sich sagen, bei Beamten - den Mitgliedervertretern der HUK - sei nichts anderes zu erwarten gewesen. Aber warum soll ein Versicherer nicht auf eine Nische setzen?Die HUK-Coburg macht bei der Kraftfahrzeug-Haftpflicht-Versicherung vor, wie erfolgreich man mit stark standardisierten Produkten sein kann. Ein Ausflug in neue Geschäftsfelder hätte zunächst einmal viel Geld gekostet, und gerade angesichts der unsicheren Lage auf dem Versicherungsmarkt wäre eine auskömmliche Rendite in absehbarer Zeit nicht sicher gewesen. Derzeit droht auch keine Gefahr mehr von der Liberalisierung des europäischen Versicherungsmarktes. Insbesondere die Briten haben sich nicht in dem erwarteten Umfang durchsetzen können. Warum also dann ein Zusammenschluß unter Mühen? Die jüngsten positiven Zahlen der HUK mögen die Vertreter bei ihrer ablehnenden Entscheidung bestätigt haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben