Wirtschaft : Eine AG für neue Jobs

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Der 60. Geburtstag ist ein besonderer, deswegen gibt es auch besondere Geschenke. Als die Stadt Wolfsburg 60 wurde, hat ihr VWPersonalvorstand Peter Hartz die Halbierung der Arbeitslosigkeit geschenkt, sozusagen eine Mini-Hartz-Reform. Dazu gründeten die Stadt und der VW-Konzern gemeinsam die Wolfsburg AG. Das war 1997, da lag die Arbeitslosenquote in Wolfsburg bei 17,2 Prozent. Ende vergangenen Jahres waren es nur noch 8,2 Prozent.

Die Wolfsburg AG mit ihren vier Geschäftsbereichen funktioniert wie ein Vierganggetriebe: Der Gründerwettbewerb „Promotion“ lockt Jungunternehmer, die sich dann im „Innovationscampus“, direkt vor den Werkstoren von VW, niederlassen können. Die nötigen Mitarbeiter organisiert die „Personal-Service-Agentur“ und die „Erlebniswelt“, die 2008 fertig gestellt sein soll, sorgt für ein anständiges Freizeitangebot und einige hundert Jobs.

Bis heute sind in der Stadt durch die Wolfsburg AG rund 8000 Arbeitsplätze entstanden. Allein im Innovationscampus haben sich fast 250 Unternehmen angesiedelt, die 1540 Mitarbeiter beschäftigen. Nun ja, könnte man denken, für eine Stadt, in der der größte Autokonzern Europas seinen Hauptsitz hat, ist es einfacher, neue Jobs zu schaffen. Weil ein Unternehmen wie Volkswagen andere Firmen, beispielsweise Zulieferer, anzieht wie ein Magnet. Tatsächlich aber war Wolfsburg vor Gründung der AG eine fast investorenfreie Zone. Und VW hatte Schwierigkeiten Nachwuchs fürs Management zu bekommen. Denn die Spitzenkräfte schätzten vor allem eines an Wolfsburg: die schnelle ICE-Verbindung nach Berlin.

„Jetzt bieten wir Gründern eine Rundumversorgung“, sagt Bernd Telm, Sprecher der Wolfsburg AG. Geholfen werde bei Finanzierungsfragen genauso wie bei der Personalbeschaffung. Und auf dem Campus finde sich vom Versicherer bis zum Steuerberater alles, was ein Unternehmer brauche. Das läuft mittlerweile so gut, dass längst nicht mehr nur Firmen nach Wolfsburg kommen, die mit der Autobranche zu tun haben.

Könnte die Wolfsburg AG also auch ein Modell für andere Städte in Deutschland sein? „Sicherlich ist das Konzept nicht eins zu eins übertragbar“, sagt Telm. Aber der Grundsatz, dass sich Unternehmer und Stadtverwaltung zusammenschließen und gemeinsam eine Strategie für bessere Standortbedingungen entwickeln, der funktioniere überall. dro

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