Wirtschaft : Eine Alternative zum Steuerberater

JOST MÜLLER-NEUHOF

BERLIN .Nichts ist umsonst, am wenigsten die Leistung derjenigen, die behaupten, durch sie könne man viel Geld sparen; Banken etwa, Versicherungen, oder sogar Steuerberater.Gerade bei Steuern gilt: Wer sparen möchte, muß nicht selten recht tief in die Tasche greifen.Guter Steuer-Rat ist teuer.

Eine preisgünstigere Alternative bieten da die Lohnsteuerhilfevereine.Nach Schätzungen des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) gibt es in der Bundesrepublik rund 600 Vereine.Sie zählen bereits über drei Millionen Mitglieder, viele davon sind Haushalte, so daß nach NVL-Angaben nahezu fünf Millionen Arbeitnehmer von der Beratung durch die Lohnsteuerhilfevereine profitieren.Arbeitnehmer wohlgemerkt, denn Freiberufler zu betreuen, ist den Vereinen untersagt.

Die Konzentration auf Arbeitnehmer und natürlich Rentner hat ihren Ursprung in der Geschichte der Vereine und ist auch gesetzlich geregelt.Unter dem Formaliendruck der aufkommenden Bürokratie schlossen sich in Kaiserzeit und Weimarer Republik Rechtshilfevereine zusammen, um gemeinsam mit dem "Kleinen Mann" die verwaltungstechnischen Hürden zu nehmen.1964 hob der Gesetzgeber dann die Lohnsteuerhilfevereine aus der Taufe und erlaubte ihnen ihre genau bestimmte Tätigkeit, gewissermaßen als Ausnahme zu Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern.

Wer heute einen Blick in die Gelben Seiten wirft, findet allein in Berlin unter "Lohnsteuerhilfe" ein Angebot, das fast so unübersichtlich wirkt wie das Steuerrecht selbst.Von der "Berliner Lohnsteuerberatung" über die "Deutsche Lohnsteuerhilfe" und "Lohnsteuer Hilfe-Ring Deutschland" bis zu "Spree und Havel Lohnsteuerhilfe" reicht die Liste, um nur die größten in Berlin tätigen Vereine zu nennen.

Für 60 bis 400 DM Beitrag jährlich, gestaffelt nach dem Einkommen, erhalten die Mitglieder eine Art Rundum-Service.Dazu gehört vordringlich das Erstellen der Steuererklärung, aber auch weitergehende Beratung, beispielsweise zur staatlichen Wohneigentumsförderung oder zum Kindergeld.Sollte ein Rechtsstreit nötig werden, wird auch dies vom Verein in Angriff genommen.Schäden, die durch falsche Beratung entstehen, sind per Haftpflicht versichert.

Und wo ist der Haken? In den achtziger Jahren geriet die Branche in Verruf, weil einige schwarze Schafe mit fragwürdigen Kreditvermittlern kollaborierten.Das ist heute kein Thema mehr.In den meisten Fällen wird man für seinen Mitgliedsbeitrag eine zumindest durchschnittliche Leistung erhalten.Die Feinheiten zeigen sich dann im Service und vor allem in der Beratungsqualität.Denn genauso wie dem Steuerzahler, wird es für die Vereine immer schwerer, den Durchblick zu behalten.

Gut aufgehoben ist man zumeist dort, wo gründlich gefragt wird.Zum Beispiel nach Einkünften aus Kapitalvermögen: Wer Zinsen über 6100 DM jährlich bezieht (12 200 DM bei Verheirateten), darf von den Lohnsteuerhilfevereinen nicht beraten werden.Gleiches gilt für Einkünfte aus Mieten.Dieses wird von den Vereinen gelegentlich "übersehen".Wer dazu noch vor seinem ersten Besuch in einer Beratungsstelle detaillierte Auskünfte darüber bekommt, was er alles mitzubringen hat, ist meist auf der sicheren Seite.Die Steuererklärung ist dann schneller erledigt, und gleichzeitig wird dafür Sorge getragen, daß keine Einkünfte und Ausgaben unberücksichtigt bleiben.

Schließlich: Eingehende Beratung braucht Zeit.Hat man den Eindruck, sich in einer "Steuerschleuse" zu befinden, die einen wieder in dasselbe Gewässer entläßt, aus dem man gekommen ist, sollte man zur Konkurrenz wechseln.Die Stiftung Warentest nahm vor einigen Jahren insgesamt 87 Vereine unter die Lupe.Ergebnis: Jeder vierte Anbieter genügte den Ansprüchen der Tester nicht.Die hier eingangs genannten Hilfvereine schnitten dagegen mit zufriedenstellenden bis guten Noten ab.

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