Wirtschaft : Eine Bank sucht Ideen

Cortal Consors buhlt um die Smartphone-Kunden.

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Berlin - Eine Anwendung fürs Handy, über die der Verbraucher einen Bankberater mit ähnlichen Interessen und Hobbys findet. Ein Crowdfunding-Fonds, über den er gleich in mehrere Start-ups investieren kann. Und ein Tool, mit dem er auf den ersten Blick sieht, wie viel Geld er im Monat für Schuhe, für’s Kino oder für den Urlaub ausgegeben hat. Das kommt heraus, wenn zwei Designer, ein Psychologe, ein Blogger, ein Gründer und ein Psychotherapeut drei Tage über die Zukunft des Bankgeschäfts nachdenken. Getan haben sie das nicht einfach so – sondern im Auftrag der Direktbank Cortal Consors. Die hatte die buntgemischte Truppe nach Berlin eingeladen. Am Freitag haben sie ihre Ideen präsentiert.

„Wir wollen die Grenzen des klassischen Bankings überschreiten“, sagt Gérard Derszteler von Cortal Consors. Das Institut, das zur französischen Großbank BNP Paribas gehört, will mit aller Macht neue Kunden gewinnen – vor allem solche, die ihre Bankgeschäfte per Smartphone und Tablet-PC abwickeln. Bislang ist Cortal Consors in Deutschland als Online-Broker aufgetreten, hat in erster Linie Tagesgeld und Wertpapiere angeboten. Jetzt wird aus dem Institut eine Vollbank im Netz, die zum Beispiel auch Girokonten und Ratenkredite im Angebot hat. Für die Smartphone-Nutzer will sie die Bankprodukte unter der neuen Marke „Hello Bank“ anbieten.

Die sechs Kreativen sollten Ideen entwickeln, wie die Bank die neue Kundschaft für sich gewinnen kann. Herausgekommen ist dabei unter anderem eine Smartphone-App, mit der der Kunde einen besseren Überblick über seine Finanzen hat. Die Anwendung zeigt nicht nur den Kontoauszug an –, sondern verbindet die Ausgaben mit einem Ort und einem Schlagwort. „Dadurch sieht man schnell, für welchen Lebensbereich man am meisten Geld ausgibt“, sagt Workshop-Teilnehmer Tim Brauns. Wer heiratet, sieht auf einen Blick, wie teuer die Hochzeit wird. Wer gern shoppen geht, wie viel ihn die Einkaufstouren kosten.

Für Cortal Consors sind Überlegungen wie diese nicht nur eine Spielerei – die Bank will damit Geld verdienen. „Die Chancen für die Umsetzung stehen gut“, sagt Derszteler. In den letzten Wochen hat der Mutterkonzern die neue Marke in Deutschland, Frankreich und Belgien auf den Markt gebracht, im Oktober soll Italien folgen. BNP Paribas will so in den vier Ländern bis 2017 rund 1,4 Millionen neue Kunden gewinnen. Spätestens dann will der Konzern mit „Hello Bank“ auch Gewinne machen. Noch kostet die neue Marke allerdings: allein in diesem Jahr 80 Millionen Euro. Carla Neuhaus

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