Wirtschaft : "Eine Bonanza der Globalisierung"

Jeden Tag treffen neue Nachrichten von Fusionen ein.Ist das gut oder schlecht? Wie geht es weiter? Mit Elmar Altvater, Marxist und Professor für Politologie am Otto-Suhr-Institut an der Freien Universität Berlin, sprach Jobst-Hinrich Wiskow.

TAGESSPIEGEL: Immer mehr Unternehmen schließen sich zusammen.Was ist der Grund dafür?

ALTVATER: Die Konzentrationsbonanza kommt wegen der zunehmenden Globalisierung über uns.Größere Märkte verlangen größere Anbieter.

TAGESSPIEGEL: Werden die Großen immer größer?

ALTVATER: Zumindest haben sie gute Chancen, sich schnell Kapital zu besorgen.Es heißt zwar immer, die Schnellen fräßen die Langsamen.Aber die Großen sind oft auch die Schnellen.Allerdings kommt es auf die Branche an - manchmal sind die Großen verkrustet und deswegen träge.Doch die modernen Großen sind flott: Denken Sie an Bill Gates und Microsoft oder an die Allianz von Netscape, AOL und Sun Microsystems in den USA.

TAGESSPIEGEL: Wer profitiert?

ALTVATER: Es mag sein, daß die Produkte besser und billiger werden.Aber das ist längst nicht alles: Die Hersteller müssen rationalisieren und Arbeitskräfte entlassen.Außerdem können sich Unternehmen leichter der heimischen Steuerpflicht entziehen, wenn sie global operieren - und einem Bündnis für Arbeit.Die Politik ist machtlos.

TAGESSPIEGEL: Wie lange dauert die Fusionswelle noch?

ALTVATER: Nicht mehr lange.Im Augenblick haben alle die Angst, als letzte sitzenzubleiben.Doch bald ist der Zauber vorbei: Dann sind die Kapitalreserven aufgezehrt, haben sich die Erwartungen nicht erfüllt.

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