Wirtschaft : Eine Datenbank für die Riester-Rente

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Berlin. Die Union will im Falle eines Wahlsiegs die Förderregeln für die private Riester-Rente verändern und so der bislang wenig nachgefragten privaten Zusatzrente neuen Schwung verleihen. Künftig sollen alle Anlageformen riester-fähig sein, sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karl-Josef Laumann, dem Tagesspiegel. Außerdem sollten die Versicherten wählen können, ob sie eine monatliche Rente beziehen oder sich das angesparte Kapital auf einen Schlag auszahlen lassen. Denkbar sei auch, die Förderung noch stärker auf Bezieher kleiner Einkommen und Familien zu konzentrieren, indem etwa die Kinderzuschläge erhöht werden. Die staatliche Riester-Förderung ist bislang auf wenige Anlageangebote beschränkt. Zudem ist eine Kapitalisierung der Anlagen weitgehend ausgeschlossen.

Um den Abschluss von Riester-Verträgen anzukurbeln, macht sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dagegen für ein Vorziehen der Förderstufen stark. Dies würde die Versicherten schneller in den Genuss einer höheren staatlichen Förderung kommen lassen und das Geschäft beleben. Mit zwei Millionen abgeschlossenen Riester-Verträgen sind die Abschlüsse von Banken, Fonds und Versicherungen weit hinter den Erwartungen zurück geblieben. GDV-Sprecherin Gabriele Hoffmann räumt jedoch ein, dass viele Anbieter mit unrealistischen Hoffnungen in das Jahr gestartet sind. Eine Zwangsrente als Alternative zur staatlichen Förderung lehnen die Versicherer jedoch ab: „Dann wird der Staat keine Zuschüsse mehr zahlen.“

Auch Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) will, dass die Bürger mehr für ihr Alter vorsorgen. Um das zu erreichen, setzt sie auf eine verbesserte Information der Verbraucher. Mit einem Zuschuss von 300 000 Euro soll der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) eine Datenbank aufbauen, in der sich die Kunden einen Überblick über Kosten und Nutzen der Riester-Angebote verschaffen können. Desweiteren sollen die Beratungsangebote in den Verbraucher-Zentralen vor Ort ausgebaut werden. Und schließlich sollen die Verbraucherschützer intransparente Vertragsbedingungen abmahnen und gegen unseriöse Anbieter vorgehen. Bereits Anfang des Jahres hatte der Bundesverband die Geschäftsbedingungen zahlreicher Anbieter, darunter auch die Röster-Rente von Tchibo, wegen unzureichender Information der Verbraucher abgemahnt.

Unzureichend informiert werden die Kunden nach Meinung des vzbv häufig auch von den Beratern in den Finanzdienstleistungsunternehmen. „Die Vermittler sind häufig nicht ausreichend ausgebildet“, sagt Carlos Mari, Rentenexperte des vzbv. Da die Versicherungssummen niedrig sind, sind auch die Vertreterprovisionen gering. „Die meisten Vertreter versuchen, die Kunden lieber zum Abschluss einer Kapitallebensversicherung zu überreden“, sagt Mari. Daher seien die Verbraucher gut beraten, sich bei unabhängigen Stellen zu informieren. Sobald objektive Produktvergleiche vorlägen, würden die Verbraucher ihre Zurückhaltung gegenüber der Riester-Rente aufgeben, glaubt Mari.

Auch die SPD rechnet mit einem Schub zum Jahresende. Ab Herbst werde das Geschäft mit der betrieblichen Altersvorsorge in Schwung kommen. Zusätzlich zu den zwei Millionen privaten Riester-Verträgen könnten bis zum Jahresende noch einmal zwölf Millionen Arbeitnehmer über betriebliche Rentenmodelle eine zusätzliche Alterssicherung bekommen, glaubt Klaus Brandner, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Immerhin sei der erste Pensionsfonds erst vor einem Monat genehmigt worden. Bei der Metall-Rente, dem Versorgungswerk für die Metall-, Stahl- und Bekleidungsindustrie, hätten schon 400 Unternehmen mit 450 000 Mitarbeitern ihr Interesse an einem Abschluss erklärt, berichtet MetallRente-Geschäftsführer Björn Schütt-Alpen. Heike Jahberg

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