Wirtschaft : Eine, die sich durchsetzt

CATRIN BIALEK

Eine Ära geht zu Ende.50 Jahre ist die D-Mark alt, Symbol für wirtschaftlichen Aufschwung und Stabilität in der Bundesrepublik Deutschland.Nun macht die D-Mark dem Euro Platz.Was ist aus den Unternehmen der Wirtschaftswunderjahre geworden, wie haben sie den Generationswechsel bewältigt? Der Tagesspiegel stellt einige vor.



Die Klosterschule hatte sie in gewisser Weise hart gemacht.Aenne Burda lernte früh, sich durchzusetzen.Gegen hänselnde Kinder in ihrer Jugend, gegen harte Männer in ihrem Berufsleben.Mit ihrer bestimmenden Art hat sie es dennoch geschafft: Als eine der wenigen deutschen Wirtschaftswunder-Frauen zog sie Ende der 40er Jahre einen Modeverlag hoch, dessen Blätter auch 50 Jahre später noch millionenfach verkauft werden.

Dabei begann alles mit einer Pleite: 1949 erwarb die damals 40jähige Aenne Burda einen kleinen Modeverlag aus Lahr mit 48 Mitarbeitern, der kurz vor dem Konkurs stand.Der Modeverlag stand bei der Druckerei ihres Ehemanns Franz Burda mit 200 000 DM in der Kreide.Die große Chance für Aenne Burda.Vergeblich hatte sie, die damals bereits drei Söhne aufzog, versucht, in der Firma ihres Ehemannes mitzuarbeiten.Nun war sie ihr eigener Boss.

"Die 200 000 DM habe ich in kürzester Zeit abbezahlen können.In den Zeiten des Wirtschaftswunders war ja vieles so leicht", hat sie einmal in einem Interview gesagt.Und tatsächlich lief vieles wie am Schnürchen: Im Januar 1950 kam die Zeitschrift "Burda Moden" mit einer Auflage von 100 000 Exemplaren auf den Markt.Das Besondere: Jedes Heft enthielt Schnittmuster für "Preiswerte Mode zum Selbermachen".Drei Jahre später kam der zweite Titel des Verlages heraus - "Burda International", die Modezeitschrift für die höheren Ansprüche.

"Burda Moden" entwickelte sich zur weltweit größten Modezeitschrift.Bereits 15 Jahre nach der Erstausgabe sprang die Auflage der Zeitschrift über die Millionen-Grenze.Niemand konnte die Offenburgerin mehr aufhalten, selbst vor dem eisernen Vorhang machte sie nicht halt: 1987 erschien ihr Modeheft als erste westliche Zeitschrift in der Sowjetunion - in russischer Sprache.Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher lobte: "Sie haben mehr geleistet als drei Botschafter vor ihnen."

"Burda Moden" hat die verschiedenen Moden überlebt.Weder preisgünstige Mode-Discounter, noch trendige Second-Hand-Läden und auch nicht die schwindende Lust am Textilunterricht konnten der Modezeitschrift etwas anhaben.Vor einem Jahr wurde das Heft allerdings einem Relaunch unterzogen: Der Name wurde zu "Burda Mode + Magazin" geändert, der Inhalt mit den "klassischen Themen einer Frauenzeitschrift" angereichert.Die bunte Welt der Stoffe steht nach wie vor im Mittelpunkt, Jahr für Jahr werden etwa 1400 Modelle in den Ateliers der Burda-Schneidereien entworfen.Heute hat das Modeheft in Deutschland eine verkaufte Auflage von knapp 330 000 Exemplaren.Es wird in 90 Ländern und 16 Sprachen publiziert, die internationale Auflage liegt bei 1,7 Millionen.

Es blieb aber nicht bei den Zeitschriften mit den eingehefteten Schnittmustern.Weitere Titel, die stets Frauennamen trugen, erschienen; gegenwärtig gibt es neben "Burda Mode + Magazin" die Zeitschriften "Verena-Special", "Anna" sowie einige Sonderhefte.

45 Jahre lang war Aenne Burda das Oberhaupt des Verlages, sie wurde auch Prinzipalin genannt.Dann, Anfang 1994, übergab sie das Kommando ihrem Sohn Hubert, der 75 Prozent der Anteile hält, die übrigen 25 Prozent gehören seinem Bruder Frieder.Der Verlag, der zu diesem Zeitpunkt 172 Mill.DM jährlich umsetzte, wurde in die Burda Mediengruppe eingebettet.Das Personal verringerte sich von 600 auf 150 Mitarbeiter.Aenne Burda blieb Herausgeberin des Verlages.Für sie, die passionierte Rosen- und Orchideenzüchterin, kein Grund, sich nur um Blumenbeete zu kümmern.Sie begleitet weiterhin die Geschicke des Unternehmens und gibt hier und da Ratschläge.Schließlich weiß sie am besten, wie man sich durchsetzt.

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