Wirtschaft : Eine ehrliche Bestandsaufnahme

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Von Bernd Hops

Den vierten Monat in Folge ist der Ifo-Index, der das Wirtschaftsklima in Deutschland wiedergibt, gesunken. Seit Monaten müssen Wirtschaftsforscher ihre Konjunkturprognosen nach unten revidieren. Seit Wochen verarbeiten die Finanzmärkte schlechte Nachrichten. Sie sind bescheidener geworden, wie die zunächst stabilen Kurse vom Mittwoch zeigen. Jetzt ist es schon eine gute Nachricht, wenn es nicht schlimmer kommt als erwartet.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte, dass in den kommenden sechs Monaten keine Besserung der aktuellen Geschäftslage in Sicht sei, eine Rezession sei aber nicht zu befürchten. Das ist ein schwacher Trost. Ein bisschen Wachstum ist zwar besser als gar keins. Aber es ist zu schwach, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenteil: Weitere werden wohl verloren gehen. In Europa gibt es wenige Länder wie Italien, in denen die Wirtschaftsstimmung in letzter Zeit besser geworden ist. Italien aber wird kaum die EU-Konjunkturlokomotive übernehmen. Bleiben die USA. Aber auch von dort kommen keine guten Nachrichten. Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten lässt spürbar nach. Längst ist sie zu schwach, um auch Europa auf die Beine zu helfen. Ein Irak-Krieg hätte außerdem negative Folgen. Im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank hat die Europäische Zentralbank noch Spielraum für Zinssenkungen. Die Zentralbank könnte ihn nutzen, genau so wie die deutsche Regierung die Konjunktur positiv beeinflussen könnte, indem sie Ernst macht mit Arbeitsmarktreformen. Das würde sich zwar nicht direkt auf die Konjunktur auswirken, aber positiv auf die Stimmung in der Wirtschaft. Denn die erhofft sich im Moment kaum Gutes von der bestätigten rot-grünen Regierung. Abwarten und ein „Es wird schon nicht so schlimm werden“ wird nur eins zur Folge haben: Es wird noch schlimmer.

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