Wirtschaft : Eine enge Kooperation der beiden Geldinstitute wird angestrebt

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Die Dresdner Bank AG, Frankfurt (Main), hat am Donnerstag intensive Gespräche mit der Banque Nationale de Paris (BNP) über eine Vertiefung der Zusammenarbeit bestätigt. Ein Sprecher des Instituts wollte aber weder zum Inhalt noch zu einem Zeithorizont konkret Stellung nehmen. Er bezeichnete die Gespräche jedoch als sehr intensiv und verwies darauf, dass der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Bernhard Walter, Mitglied im Aufsichtsgremium der BNP ist und der Chef der Banque Nationale de Paris, Michel Pébéreau, im Aufsichtsrat der Dresdner Bank sitzt. Beide Institute halten wechselseitig ein Prozent aneinander. Ein Treffen der beiden Vorstandsvorsitzenden noch in dieser Woche, über das die "Financial Times" in ihrer Donnerstagsausgabe spekuliert hatte, dementierte die Dresdner Bank jedoch. Die Zeitung hatte berichtet, die Dresdner Bank wolle ihre Position in den Kernländern der Europäischen Währungsunion stärken. Ein Sprecher der BNP in Paris dementierte am Donnerstag, dass es bei den Gesprächen um eine Fusion der beiden Institute gehe.

Bereits Ende August hatte die Dresdner Bank allerdings eingeräumt, dass auch über eine Aufstockung ihrer Beteiligung an der BNP gesprochen werde. Konkrete Ziele oder Zahlen gebe es aber nicht, hieß es jetzt aus Frankfurt. Im Vordergrund stehe derzeit, Möglichkeiten einer Vertiefung der seit 1993 bestehenden Zusammenarbeit auf den bisherigen Feldern auszuloten. So kooperieren beide Institute bereits bei so genannten Zahlungsverkehrsprodukten für Firmenkunden. Konkret nannte der Sprecher der Dresdner Bank das Angebot eines Cash-Managements auf einem Konto für Firmen, die sowohl in Deutschland als auch in Frankreich tätig sind. Daneben unterhalten die beiden Banken gemeinsame Filialen in Tschechien, Polen, Russland, Ungarn, Bulgarien, Kroatien und Rumänien. Damit seien auch alle wichtigen Plätze abgedeckt, hieß es. Darüber hinaus strebt die Dresdner Bank aber auch eine flächendeckende Präsenz in Frankreich an. Dabei käme ihr eine engere Zusammenarbeit mit der Banque Nationale de Paris, die kürzlich die Mehrheit an der französischen Bank Paribas übernommen hat, gerade recht, zumal die Kooperation in der bisherigen Form nach beiderseitigem Eingeständnis wenig bringt.

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Henning Schulte-Noelle, bezeichnete die Gespräche zwischen den beiden Banken als völlig normal. Die Allianz ist mit rund 22 Prozent Großaktionär bei der Dresdner Bank. Beide Banken seinen langjährige Kooperationspartner, erklärte Schulte-Noelle.

Heiko Feber, Analyst bei der Hamburger Privatbank Berenberg und zuständig für die Dax-Werte, sieht die Fusionsgerüchte gelassen. Eine vertiefte Zusammenarbeit beider Institute kann er sich aber durchaus vorstellen. Auswirkungen auf die Kurse würden die jüngsten Meldungen wohl kaum haben. Fantasie im Bereich der Finanztitel sei seit geraumer Zeit vorhanden. Neue Meldungen glichen eher Versuchsballons, die man steigen lasse, um zu sehen, wie die betroffenen Banken reagierten. An der Börse zeigten sich die Händler skeptisch über eine Einigung der beiden Institute vor allem wegen der konkurrierenden Großaktionäre Allianz und der französischen Axa. Die Titel der Dresdner Bank gaben am Donnerstag wegen des Dementis der BNP um 0,79 Euro auf 43,22 Euro nach.

Gleichzeitig setzt die Dresdner ihre Gespräche auf Expertenebene mit der Deutschen Bank über eine Zusammenarbeit im Retail Banking (Kleinkundengeschäft) fort. Auch hier nannte der Sprecher weder einen Zeithorizont noch konkrete Inhalte. Zudem gehe es hier um ganz andere Gebiete der Zusammenarbeit als mit der BNP.

Für die Banque Nationale de Paris rückt die Suche nach einem starken Partner in Europa wieder stärker ins Visier, nachdem die ursprünglich geplante Dreierfusion mit der Société Générale und Paribas am Veto der französischen Bankenaufsicht gescheitert ist.

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