Wirtschaft : Eine feindliche Übernahme durch einen neuen Großaktionär ist offenbar nicht mehr im Gespräch

chi

Eine Übernahme und Zerschlagung der Berliner Elektro Holding (BEH) durch einen neuen Großaktionär scheint vorerst vom Tisch zu sein. Die französische Bank Société Générale habe den BEH-Vorstand informiert, "dass eine feindliche Übernahme nicht in Erwägung gezogen wird und auch nie in Erwägung gezogen wurde", sagte BEH-Vorstandschef Reinhold Heibel dem Tagesspiegel am Mittwoch. Zu den Gründen wollte er sich nicht äußern. Offenbar habe die Bank für das Vorhaben keine ausreichend lukrative Perspektive gesehen.

Die Nachricht, wonach die Bank im Verbund mit dem größten Einzelaktionär des Unternehmens, der Familie des Firmengründers Manfred Bernau, bereits einen entsprechenden Plan ausgearbeitet habe, hatte Ende August für Wirbel gesorgt. Denn es war nicht auszuschließen, dass sich neben der Familie Bernau auch andere Aktionäre für den Plan begeistern könnten. Die Schwierigkeiten einiger BEH-Tochtergesellschaften, vor allem aber die anhaltenden Dissonanzen zwischen dem Großaktionär und der Geschäftsführung haben den Aktienkurs in den vergangenen 14 Monaten von knapp 25 auf unter 10 Euro gedrückt. In Analystenkreisen gilt die BEH inzwischen als unterbewertet. Gemessen am Wert einzelner Unternehmensteile müsste der Kurs eher bei 16 bis 18 Euro liegen.

Die Familie Bernau wollte sich am Mittwoch zu den Vorgängen nicht äußern. Sie hält rund 25 Prozent der Aktien, ein weiteres Viertel ist in Händen institutioneller Investoren, der Rest breit gestreut.

Heibel selbst hat sich mehrfach gegen eine Zerschlagung ausgesprochen. Er will die Firmengruppe noch stärker auf Kernbereiche rund um die Informationstechnologie bündeln. "Von anderen Bereichen werden wir uns trennen", sagte er. Indirekt bestätigt er damit Spekulationen, wonach die BEH ihre Beteiligung an dem Bahntechnik-Zulieferer Schaltbau AG abgeben will. Das würde den BEH-Kurs beleben. Man verfolge die fortschreitende Konzentration in diesem Markt "aufmerksam", sagte Heibel.

Gleichwohl bleiben die internen Auseinandersetzungen nicht ohne weitere negative Folgen. Die bislang für Herbst geplanten Börsengänge der Sparte Bankentechnik und der Besi-Beteiligung PBE werden auf Anraten der Konsortialbanken voraussichtlich verschoben. Die endgültige Entscheidung werde in den nächsten zwei Wochen fallen, sagte Heibel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben