Wirtschaft : Eine Firma auf 16 Quadratmetern

Bei der heutigen „Langen Nacht der Wissenschaften“ präsentiert die TU Berlin ihren Gründungsservice

Kevin Hoffmann

Berlin - Sener Abanozoglu erhebt sich vom Schreibtisch und dreht sich um die eigene Achse: „Hier ist die Vertriebsabteilung, da unsere Entwicklungsabteilung plus Werkstatt“. Er verrenkt sich beim Zeigen und lacht. „Und das, was sich an der Wand stapelt, das ist unser Lager.“ Der 27-jährige Diplomingenieur betreibt mit zwei Kollegen und einer 22-jährigen angehenden Diplomkauffrau das Start-up- Unternehmen Blue On Shop. Vier Mitarbeiter teilen sich zwei Schreibtische, zwei Telefone, 16 Quadratmeter und eine Idee: Sie entwickeln, produzieren und vertreiben den „Boscube“, einen rund 30 Zentimeter hohen Würfel mit integriertem Monitor und Sender.

Den weißblau schimmernden Kasten kann man auf einen Sockel ins Schaufenster oder in die Kneipe stellen. Über das Gerät können Gastwirte oder Ladeninhaber ihren Gästen und Passanten Werbung, Angebote, Gutscheine, Musik und Bilder per Bluetooth-Technik kostenlos aufs Handy schicken – sofern diese das wünschen. Neues Marketing für die Zielgruppe der 13- bis 30-Jährigen. „Wichtig war uns, dass das Gerät schick aussieht und dass es wirklich jeder Techniktrottel bedienen kann“, sagt Abanozoglu.

Ob das den vier Jungunternehmern gelungen ist, kann jeder selbst ausprobieren. Die Firma öffnet ihr Minibüro am heutigen Samstag zwischen 17 und 1 Uhr im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaften“. Blue On Shop ist nur eines von mehreren Kleinstunternehmen, die vom Gründungsservice der Technischen Universität Berlin unterstützt werden.

Die TU richtete dazu im Gebäude der Alten Mineralogie (Hardenbergstraße 38) eine Gründungswerkstatt ein, in der Absolventen mietfrei ein Büro beziehen können. „Hier können sich die Gründer erst mal ganz in Ruhe ausprobieren und sich Tipps und Hilfe holen und unsere Workshops besuchen“, sagt Projektleiterin Agnes von Matuschka.

Die TU war Vorreiter bei der Verwirklichung des Gedankens, dass Wissenschaftler den Weg in die freie Wirtschaft finden sollten. Schon 1983 entstand am Campus eines der ersten Gründungszentren Deutschlands. Heute ist die Betreuung der Absolventen professioneller und wird zudem von Bund und Land gefördert.

Die jungen Firmen sitzen direkt an einem hellen Flur, nur durch Glastüren voneinander getrennt. Sie teilen Frust und Erfolge miteinander. Gegenüber der Blue- On-Shop-Truppe sitzen die Betriebswirte Willi Ruopp und Marc Lampe. Sie haben bereits die GmbH Musiqtogo gegründet und betreiben bundesweit für mehrere Radiosender einen Service, bei dem Hörer per SMS abfragen können, wie das Lied heißt, das gerade läuft, und wie sie es unkompliziert im Internet kaufen können.

Das Nachbarbüro Monopluqx entfernt Störgeräusche aus Filmen; die Kollegen von Viardi.eu werkeln zwei Türen weiter an einem interaktiven Verkaufsautomat. Die ebenfalls von der TU betreute Firma Imcube Media präsentiert zur Langen Nacht eine Technik, bei der man herkömmliche zweidimensionale Filme in 3-D-Ansicht konvertieren kann. Wer also wider Erwarten an der Bedienung des Boscube-Würfels scheitert, kann sich ab 19 Uhr an der TU eine 3-D-Brille aufsetzen und einen einen aufgepeppten Dokumentarfilm genießen. Kevin Hoffmann

www.langenachtderwissenschaften.de

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