Wirtschaft : Eine Frage des Vertrauens

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Von Carsten Brönstrup

Drei Jahre Krise haben die Deutschen und ihre Wirtschaft zermürbt. Noch nicht einmal die Hälfte des Jahres ist vorüber, und schon gibt niemand mehr einen Pfifferling für einen Konjunkturaufschwung. In den kommenden sechs Monaten ist nichts mehr zu machen, lassen die Unternehmen in Umfragen wissen, Investitionen seien außer Mode und an die Einstellung neuer Leute erst recht nicht zu denken. Eine so lange Phase des Pessimismus ist hier zu Lande ein neues Phänomen. Eine kollektive Psychose hat die Firmen erfasst, sie haben ein mentales Problem. Ein paar Lichtblicke reichen nicht aus. Zuerst muss die Zuversicht in die wirtschaftliche Entwicklung wieder wachsen.

Die Silvesterpartys werden die miese Stimmung auch nicht schlagartig vertreiben – den ersten mutigen Prognostikern zum Trotz, die für 2004 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent verheißen. Solche für deutsche Verhältnisse fast schon rasante Zuwachsraten wird es erst geben, wenn Manager und Verbraucher wieder mehr Vertrauen haben. Und wenn sie wieder glauben, dass Investitionen und größere Konsumanschaffungen sich ohne Wagnis tätigen lassen. Dazu reicht es nicht, wenn die Kriegsangst weicht, sich der Ölpreis stabilisiert und die Börsentalfahrt zu Ende geht. All das ist bereits spätestens seit Anfang Mai der Fall – genützt hat es aber nichts, der Verdruss bei den Unternehmen ist eher noch größer geworden.

Echte Zuversicht werden sie erst wieder verspüren, wenn die Politik der Regierung wieder vertrauenswürdig ist. Und wenn sie die jetzt diskutierten Reformen schwarz auf weiß im Bundesgesetzblatt nachlesen können. Seit Jahren schon hoffen die Firmen auf ermutigende Zeichen aus Berlin – doch die Koalition hat stets mehr diskutiert als reformiert. So ist es auch bei der Agenda 2010 und bei der Steuerreform, die womöglich vorgezogen wird. Beides wären ermutigende Zeichen. Doch die Wirtschaft wird nur dann Mut fassen, wenn tatsächlich die Sozialbeiträge sinken, und wenn der Finanzminister die Steuersenkung auch wirklich solide gegenfinanziert – und nicht steigende Abgaben oder eine höhere Mehrwertsteuer die Steuerersparnis sofort wieder egalisieren.

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