Wirtschaft : Eine Frage zum Euro: Verdient Hans Eichel an den neuen Münzen?

mo

Unterm Strich bleibt dem Bundesfinanzminister zurzeit kein Gewinn übrig. Die Umtauschaktion Mark in Euro kostet ihn vielmehr eine Stange Geld. Grundsätzlich aber stimmt, dass ein Staat einen ordentlichen Reibach machen kann, wenn er neue Münzen prägen lässt. Denn die Herstellungskosten dafür liegen in aller Regel um ein Vielfaches unter dem so genannten Nennwert der Münzen, der dem Staat von der Notenbank - als Hausbank und Verteiler der Münzen - gut geschrieben wird. Prinzipiell gilt: die Ausgabe von Münzen ist Angelegenheit einzelner Staaten. Die Fachleute sprechen von Münzhoheit oder, altertümlich, vom Münzregal. Mit den Scheinen verhält es sich anders. Die Ausgabe von Geldscheinen ist traditionell Sache der Notenbanken.

Zum Thema OnlineSpezial: Der Euro kommt
Euro-Countdown: Die Serie im Tagesspiegel
Euro-Memory: Passende Euro-Pärchen finden
Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Im Rahmen der Euro-Bargeldeinführung stellt die Bundesregierung nach Angaben des Finanzministeriums Münzen zum Herstellungswert von 1,2 Milliarden Mark her. Sie erhält dafür aber 5,34 Milliarden Euro - oder 10,5 Milliarden Mark - den so genannten Nennwert. Dieser Betrag wird ihr von der Bundesbank im Auftrag der EZB zum Zeitpunkt der Euro-Bargeldeinführung gut geschrieben. Ein Gewinn resultiert daraus trotzdem nicht: Denn im Gegenzug wird das Bundesfinanzministerium in gleichem Ausmaß für die Rücknahme der alten DM-Münzen zur Kasse gebeten.

Mehr noch: Der unerwartete Erfolg der Schlafmünzenaktion, die viele Bürger zur vorzeitigen Rückgabe von DM-Münzen bewegen konnte, kostet den Finanzminister mehr als erwartet. Das sieht man an den so genannten überplanmäßigen Ausgaben (ÜPLs) in Höhe von 2,3 Milliarden Mark. Mitsamt den im Etat bereits dafür vorgesehenen Beträgen belaufen sich die Kosten für die vorzeitige Münz-Rücknahme auf knapp drei Milliarden Mark. Dieser Betrag ist aber nur eine vorläufige Belastung. Im Zuge der Euro-Bargeldeinführung wird der Etat in gleicher Höhe entlastet. Zum letzten Mal übrigens konnte ein Finanzminister 1996 einen ordentlichen Münzgewinn einstreichen. Fachleute rechnen aber in Zukunft wieder mit satten "Nettoeinnahmen".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben