Wirtschaft : Eine Fusion aus Vernunft

MARGARITA CHIARI

So nüchtern ist in jüngster Zeit wohl keine Firmenhochzeit über die Bühne gegangen. Kein Jubel, kein Feuerwerk, auch die Champagnerkorken flogen nicht, als die Aktionäre nun den Zusammenschluß von Hoechst und Rhône-Poulenc zum weltweit größten Pharma- und Pflanzenschutzhersteller absegneten. Statt dessen kam die knappe Bestätigung des Vorstandes, daß die Fusion Arbeitsplätze kosten werde. Deutlicher hätte man es nicht ausdrücken können: Diese Fusion ist keine Liebes-, sondern eine Vernunftheirat.Immerhin geht damit eine Ära zu Ende. Gut 130 Jahre nach der Gründung verschwindet der Name Hoechst vom deutschen Kurszettel, schlüpft die ehemalige "Rotfabrik" unter das Dach eines Konzerns mit dem Kunstnamen Aventis, bei dem Kritiker schnell Parallelen zum Wort adventure - Abenteuer - entdeckten. Nostalgie ist sicher falsch am Platz. Hoechst hat den radikalsten Wandel schon hinter sich. In weniger als drei Jahren haben die Frankfurter fast 40 Tochterbetriebe und Beteiligungen verkauft, und einige hinzugekauft. Aus dem einst größten Chemiekonzern der Welt wurde ein Pharmabetrieb mit angeschlossener Chemieabteilung - schlank und rank, aber eben zu klein, um im Wettbewerb mit den US-Riesen der Branche die Nase vorn zu haben. Hätte Hoechst nicht den Partner Rhône-Poulenc gefunden, wäre die Übernahme durch einen US-Konkurrenten nicht auszuschließen gewesen. Die Vernunftehe ist somit auch eine Rettung. Ob sie ein Erfolg wird, steht noch auf einem anderen Blatt. Jede zweite Fusion scheitert an internen Schwierigkeiten. Hoechst und Rhône-Poulenc haben die schwierigste Aufgabe, die Integration verschiedener Unternehmenskulturen, noch vor sich. Es gibt guten Grund, nüchtern zu bleiben.

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