Wirtschaft : Eine Fusion im Senkrechtstart (Kommentar)

Martina Ohm

Es gibt Fälle, da schlüpft die Industrie in die Rolle des Schrittmachers. So ein Fall ist die 1999 angekündigte Fusion der deutschen Dasa mit der französischen Aérospatiale Matra. Der Schulterschluss zur EADS zeigt, wie ernst es den Firmen mit dem Aufbau einer privatwirtschaftlich ausgerichteten unabhängigen Luft- und Raumfahrtindustrie in Europa ist. Die Kooperation bezieht sowohl die Herstellung des zivilen Fluggeräts, wie etwa den Airbus, als auch die Produktion von wehrtechnischen Gütern, wie den Kampfhubschrauber Tiger oder das französische Gegenstück zum Eurofighter, die Rafale, mit ein. Mehr als für Franzosen oder auch Briten gilt für die Deutschen, dass sie nur im Rahmen einer strategischen Partnerschaft überleben können. Den Unternehmen geht es vor allem darum, in Zeiten schrumpfender staatlicher Rüstungs- und Forschungsbudgets eine Konstruktion zu finden, die auf Dauer stabile Erträge erwarten lässt. Dass durch die Bündelung der Kräfte auch hier ein erhebliches Kräftereservoir aktiviert werden kann, haben die Amerikaner den Europäern bereits anschaulich bewiesen. Doch Europa ist nicht Amerika. Der Aufbau eines Europa-Konzerns bleibt eine langwierige Sache. Nicht etwa, dass es eine unüberwindliche Hürde wäre, auch die Briten an Bord zu nehmen. Das scheint nur eine Frage der Zeit. Die Probleme liegen an anderer Stelle. So gibt es in zentralen Frage, ob es um Technologieförderung geht, um Steuern oder um Exporte, in Europa nicht nur eine Richtlinie, sondern zahlreiche nationale Vorgaben. Es bleibt Aufgabe der Regierung, das zu ändern.

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