Wirtschaft : „Eine halbe Seite für den Verkehr“

Warum wird Energie in Deutschland nicht effizienter genutzt?

Das Erstaunliche ist, dass es eine große Zahl von wirtschaftlichen Effizienzmaßnahmen gibt, die trotzdem nicht umgesetzt werden. Im Wesentlichen liegt das daran, dass es sowohl bei den Verbrauchern als auch bei Handwerkern, Verkäufern von Elektrogeräten oder Architekten an Informationen mangelt – und oft an Motivation. Da muss man ansetzen. Dann gibt es finanzielle Einschränkungen. In der Industrie werden Amortisationszeiten gefordert, die unter zwei Jahren liegen. Die Kommunen können wegen ihrer angespannten Haushaltslage oder komplizierten Verwaltungsstrukturen kaum in Effizienz investieren. Und dann gibt es häufig den Fall, dass die Anreize, die politisch geschaffen worden sind, nicht dort ankommen, wo sie wirken. Zum Beispiel das Mieter-Vermieter-Dilemma: Der Vermieter investiert in Wärmedämmung, der Mieter hat den Nutzen durch geringere Heizkosten.

Was bringt das Meseberger Klimapaket der Regierung für die Effizienz?

Es enthält eine ganze Reihe guter Ideen – wirksam sind sie vor allem beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Bei der Effizienz sind viele Vorschläge so abgeschwächt worden, dass es fraglich ist, welchen Beitrag zum Klimaschutz sie leisten werden. Zum Beispiel der Passus, dass Industrieunternehmen, die Ermäßigungen bei der Stromsteuer genießen, dafür Energiemanagementsysteme hätten einführen sollen. Jetzt soll es nur noch bis 2013 Gespräche über eine entsprechende Selbstverpflichtung geben. Ähnlich war es mit dem zunächst geplanten Verbot von Nachtspeicherheizungen, das auch entschärft worden ist. Oder die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), bei der gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt werden: Die selbst gesetzten Ziele des KWK-Gesetzes sind nicht erreicht worden, dennoch hat das Wirtschaftsministerium noch immer keine überzeugende KWK-Novelle vorgelegt. Insgesamt wird zu viel geprüft, zu wenig festgenagelt.

Ist die Regierung den Effizienz-Dilemmata also selbst erlegen?

Ja, das ist richtig. Aber man darf nicht vergessen, dass es viele Akteure gibt – von Haushalten bis hin zu riesigen Industriebetrieben. Das ist schwieriger als beim Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung, wo es mit dem Erneuerbare- Energien-Gesetz einen mächtigen Hebel gibt.

Was halten Sie vom Verkehrskapitel im Meseberger Klimapaket?

Ich finde es schade, dass die Kohlendioxid-Strategie für Autos gerade mal eine halbe Seite bekommen hat – ohne eine weiterführende Idee. Die Abschaffung des Dienstwagenprivilegs für Spritfresser oder eine Maut für kleine Nutzfahrzeuge sind gescheitert. Dabei wären das recht einfache Instrumente gewesen, um die Effizienz im Verkehr zu steigern.

Martin Pehnt (37) ist seit 2001 Experte für Energie und Technikfolgenabschätzung beim Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu). Die Fragen stellte

Dagmar Dehmer.

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