Wirtschaft : Eine Hand wäscht die andere

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Die Rettung vor der Insolvenz in letzter Minute hat der Elektronikkonzern Grundig nicht zuletzt dem Mehrheitseigentümer Anton Kathrein mit seinen exzellenten Kontakten zu verdanken. Der umtriebige Rosenheimer Antennenfabrikant gehört zu den engen Vertrauten des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und versteht sich gut mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU).

Als letzterer nach dem Ausstieg von Philips bei Grundig 1997 nach einer Auffanglösung für den angeschlagenen Elektronikkonzern suchte, dachte er zuerst an Kathrein. Der zögerte nicht lange. Kathrein erwarb zunächst eine Sperrminorität von 25 Prozent, die er nach und nach auf 89 Prozent aufstockte. Trotz eines Restrukturierungsprogramms konnte Kathrein Grundig nicht retten. Dabei hatte er bisher als Unternehmer ein glückliches Händchen. Der 51-Jährige ist einer der erfolgreichsten Mittelständler Bayerns. Der Eigentümer und Chef der Kathrein-Werke bezeichnet sein Unternehmen als „weltweit ältesten und größten Antennenhersteller“. Mit knapp 3900 Mitarbeitern und einem Umsatz von 716 Millionen Euro im vergangenen Jahr ist Kathrein in acht Ländern präsent. Nachdem der studierte Betriebswirt die Firma 1972 nach dem Tod seines Vaters übernommen hatte, erweiterte er die Produktpalette: Neben Antennen und Blitzableitern stellen die Kathrein-Werke heute auch Satelliten-Empfangsanlagen, Breitband-Kommunikationsanlagen und Automobilelektronik her.

Wenn Stoiber für seinen Freund Kathrein bei Grundig in die Bresche springt, tut er das Beobachtern zufolge nicht ganz uneigennützig: Sie nehmen an, dass die bayerische Landesregierung Einfluss genommen hat, damit Grundig zumindest bis zur Bundestagswahl am 22. September in seiner jetzigen Form weiter besteht.nad

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