Wirtschaft : Eine Herkulesarbeit für die Programmierer

THOMAS MAGENHEIM

Umstellung auf den Euro: Computer für Computer muß durchgeforstet werdenVON THOMAS MAGENHEIM

Deutschlands Unternehmen fühlen sich in ihrer Firmen-EDV glänzend auf den Euro und die sogenannte Jahr 2000-Umstellung vorbereitet, haben aber im Detail wenig Ahnung, worum es eigentlich geht.Das ist das Ergebnis einer Studie der britischen Unternehmensberater Neaman Bond Associates.Bei der Bewältigung der anstehenden EDV-Probleme geht es auf den ersten Blick um Kleinigkeiten.Aber sowohl die Datumsumstellung zum Jahr 2000 als auch der Euro bedingen Änderungen in der Software von Firmencomputern und PCs, mahnt Neaman-Experte Graham Brown.Der Euro, für den der Startschuß schon am 1.Januar 1999 fallen soll, bringt Umrechnungs- sowie Rundungsprobleme mit sich, und das hat ebenso seine Tücken wie das Einläuten des neuen Jahrtausends in der EDV. Computer verwenden zur Jahresanzeige oft nur zwei Stellen.1999 wird zu 99, das Jahr 2000 zu 00.Für manche Programme ist das ein "Ende-Kriterium", das Programm schalte ab, warnen Experten.Brown nennt einen Test, den ein britischer Manager in seinem Betrieb anstellte, um den "Big Bang" zu simulieren.An einem Wochenende verschanzte er sich im Büro und stellte den Zentralrechner auf 31.Dezember 1999.Zur fiktiven Mitternacht sprang die Jahresanzeige auf 00, sämtliche Aufzüge schalteten ab, die Sprinkleranlage fing an zu tropfen, und alle Sicherheitssysteme waren lahmgelegt. Die Umstellung auf den Euro ist verglichen damit die kleinere Herausforderung für Programmierer.Beim Euro sind die nötigen Anpassungen der Programme klarer, weiß Software-Expertin Gisela Bauer von der Softlab GmbH, die die Neaman-Studie in Auftrag gegeben hatte.Umrechnungs- und Rundungsprobleme schlagen vor allem dort ins Gewicht, wo viele einzelne Einheiten aufaddiert werden, wie bei Telefonaten oder beim Kauf von Wertpapieren.Auf- oder Abrundungen können dabei beträchtliche Differenzen ergeben.Zudem muß das Kürzel DM für das noch nicht feststehende Kürzel des Euro ersetzt werden. Technische Schwierigkeiten bietet das Umprogrammieren an sich nicht, bestätigen Experten.Kritisch wird es, weil in jeder Firma Computer für Computer und Programm für Programm durchforstet werden müssen."Es ist ein Mengenproblem", so Bauer.Zwar heißt es in der Neaman-Studie, daß sich die deutschen Unternehmen überwiegend gewappnet fühlen.Doch das bezweifeln Brown und seine Kollegen.Über die Hälfte aller knapp 700 befragten Firmen wußten nämlich nicht, in welchem Umfang ihre Software umgestellt werden muß.Weit über die Hälfte aller deutschen Unternehmen hat für die Aufgabe kein Budget oder hält die eigene EDV generell für überhaupt nicht betroffen.Für Brown und Bauer ein klares Indiz dafür, daß viele Manager offenbar wenig Ahnung von der Materie haben. Von einer Lösung seien die Firmen sowohl bei der Datumsumstellung als auch beim Euro noch weit entfernt, obwohl die Uhr tickt.Beides werde offenbar als Lappalie eingeschätzt und in seinen Auswirkungen unterschätzt, resümmieren die Forscher.Sie konstatieren eine gravierende Ahnungs- und Sorglosigkeit.Experten schätzen die Kosten für die Korrektur von fehlerhaften Programmcodes europaweit auf 75 bis 150 Mrd.Dollar.Für die Unternehmen könne es ein böses Erwachen geben, meint Brown.

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