Wirtschaft : „Eine Insel hat man – eine Rolex zeigt man“

Inselmakler Farhad Vladi über den Traum vom eigenen Eiland und Schnäppchen in der Rezession

-

Herr Vladi, was bedeutet für Sie Luxus?

Luxus ist das, was man nicht wirklich braucht. Es wird trotzdem angeschafft, weil viele Menschen glauben, sich mit Überflüssigem von anderen abheben zu können und mehr zu scheinen, als sie tatsächlich sind.

Als Käufer einer Insel muss man schon in sehr luxuriösen Verhältnissen leben…

Es sind nicht nur die Reichen, die sich Inseln kaufen. Kürzlich hat einer meiner Kunden eine Hypothek auf sein Reihenhaus aufgenommen, um sich in Kanada eine Insel leisten zu können. Darüber spricht nur niemand. Das ist bei Nicholas Cage, meinem letzten prominenten Kunden, anders. 90 Prozent sind ganz normale Menschen, die sich einmal im Leben etwas Besonderes gönnen.

Was kostet eine Insel im Schnitt?

Sie sollten mindestens 100000 bis 200000 Euro übrig haben. Wir machen unser Hauptgeschäft mit Inseln bis zu 600000 Euro. Deutlich teurer geht es natürlich auch.

Wie viele Inseln haben Sie schon verkauft?

In 30 Jahren mehr als 1000.

Was unterscheidet Inseln von anderen Luxusgütern?

Eine Insel ist das Gegenteil von einer Rolex oder einem Ferrari. Man hat sie, aber man zeigt sie nicht. Man kann auch schlecht damit angeben, weil man keine Zuschauer hat. Das Inselglück erlebt man allein.

Gilt das überall? Oder gehen Ihre amerikanischen Kunden anders mit ihrem Luxus um als die europäischen?

Die Unterschiede sehe ich nicht geografisch. Es ist eher der Unterschied zwischen altem und neuem Reichtum. Leute, die schnelles Geld gemacht haben, zum Beispiel an der Börse, lassen eher mal eine teure Rolex heraushängen. Die, die schon immer Geld hatten, haben das nicht nötig. Die fahren in einem kleinen Auto bei mir vor und treten ganz bescheiden auf.

Spüren Sie die Konjunkturkrise?

Wir haben – anders als Immobilienmakler in Hamburg oder Berlin – das große Glück, dass sich die Inseln auf viele Länder verteilen. Ich kann also im Prinzip immer dort verkaufen, wo gerade die Wirtschaft brummt. In Kanada, Neuseeland oder Australien zum Beispiel, wo es viele Inseln gibt.

Vom Käuferstreik merken Sie also nichts?

Bei unseren deutschen Kunden, das sind vor allem Freiberufler, lässt sich schon so etwas feststellen. Die kommen in letzter Zeit häufiger und müssen plötzlich ihre Insel verkaufen, die sie vor 20 Jahren gekauft haben.

Und wenn das schnell gehen muss, kann man dann ein Schnäppchen machen?

Ja, das kommt vor. Jetzt in der Rezession gehen die Eigentümer schneller mit dem Preis runter.

Die Japaner gelten als krisenresistente LuxusShopper. Haben Sie viele Kunden in Japan?

Nein, nur einen einzigen, und das ist eher Zufall. Die Japaner haben einfach zu wenig Urlaub. Wenn Sie ihre Insel genießen wollen, brauchen sie mehr als eine Woche Ferien.

Das Gespräch führte Henrik Mortsiefer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben