Wirtschaft : Eine Menge Fallholz

Trotz des großen Angebots wird der Rohstoff teurer

Alexander Heinrich

Berlin - Verbraucher müssen mit höheren Preisen bei Papier und Holzprodukten rechnen. Die Papierindustrie erwartet trotz eines kurzfristigen Mehrangebots durch den Sturm „Kyrill“ weiter steigende Holzpreise: „Die weltweite Nachfrage ist einfach zu hoch, Holz ist 2006 teilweise um 30 Prozent teurer geworden“, sagte Rolf-Karl Döhring vom Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) dem Tagesspiegel. Bislang hätten die Betriebe dies allerdings nicht an Handel und Verbraucher weitergereicht. „Wir gehen für 2007 von leichten Preiserhöhungen aus“, bestätigt Thomas Wüst vom Zellstoffproduzenten Zewa. „Allerdings liegt das auch an deutlich gestiegenen Energiekosten.“ Auf welche Zuschläge für Toilettenpapier und Taschentücher sich die Verbraucher einrichten müssen, sei jedoch noch nicht absehbar. Auch Europas größter Möbelhersteller Schieder plant Preiserhöhungen für seine Produkte. „Bei einigen Betrieben in der Branche tendiert die Rendite mittlerweile gegen null“, sagte ein Sprecher.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium schätzt, dass der Orkan „Kyrill“ etwa 25 Millionen Kubikmeter Sturmholz in den Wäldern zurückgelassen hat. Das ist etwa ein Drittel der Menge, die jährlich in deutschen Wäldern gefällt wird. „Wir gehen davon aus, dass das Sturmholz jetzt zügig verarbeitet und angesichts der sehr guten Nachfrage ohne Probleme vom Markt aufgenommen wird“, sagte Staatssekretär Peter Paziorek.

„Wir gehen beim derzeitigen Stand davon aus, dass die Holzpreise sinken werden, allerdings nur kurzfristig“, sagte Achim Hannot vom Verband Deutscher Möbelindustrie. Wie der Verband mitteilte, seien die Holzpreise innerhalb der letzten zwölf Monate um durchschnittlich 30 Prozent in die Höhe gegangen. Der Preis für Spanplatten in der Möbelindustrie sei bereits 2006 um ein Drittel gestiegen, Bauholz habe sich um ein Viertel verteuert. Auch die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) registrierte 2006 deutliche Aufschläge. Während die Preise bei Stammholz nur geringfügig stiegen, verteuerte sich Industrieholz um 20 Prozent. Industrieholz dient als Grundstoff für Spanplatten für die Möbel- und Bauindustrie und wird zu Papier und Zellstoff weiterverarbeitet. Zu Holzpellets gepresst verwenden es immer mehr Haushalte als Energieträger beim Heizen. Die Holzverarbeiter und Papierhersteller ärgern sich über die staatlichen Subventionen für Biomasse. Bei aller „Brennholz-Euphorie“ werde vergessen, dass das Verbrennen die Wertschöpfungskette dieses wertvollen Rohstoffs drastisch verkürze, sagte VDP-Präsident Bernd Rettig.

Wer seine Heizungskessel auf die Feuerung mit Holzpellets umstellt, bekommt derzeit zwischen 24 und 38,40 Euro je Kilowatt installierter Leistung vom Staat bezahlt. Für einen Heizkessel im Einfamilienhaus ergibt das einen einmaligen Zuschuss von durchschnittlich rund 1000 Euro. „Es gibt mittlerweile 70 000 Pelletheizungen in Deutschland. Dieser Markt hat sich etabliert und braucht keine staatliche Unterstützung“, sagte Peter Sauerwein, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI).

Und es gibt weiter Gründe für steigende Holzpreise: „Hinzu kommt, dass die Bauindustrie angezogen hat. Es werden nicht nur traditionelle Holzbauteile wie Dachbalken oder Dachleisten verstärkt nachgefragt, auch die Holzbauweise ganzer Häuser hat zugenommen“, sagte Hans Ludwig Körner, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände. Auf dem Weltmarkt registriert man ebenfalls eine deutlich gestiegene Nachfrage. Nicht nur China importierte im vergangenen Jahr mehr Schnittholz aus Europa, sondern auch Nordamerika.

Die hohen Holzpreise seien allerdings zum Teil auch selbst herbeigeführt, sagt Peter Sauerwein vom VHI. Der Waldbesitz sei in Deutschland überwiegend weit gestreut und kleinteilig. „Es gibt drei Millionen Waldbesitzer, und wer nur zwei bis drei Hektar sein Eigen nennt, hat kaum Interesse an einer effizienten wirtschaftlichen Nutzung.“ Zudem favorisiere die deutsche Forstwirtschaft Starkholz mit langen Wachstumszeiten, statt auf schnell nachwachsende Weichhölzer zu setzen. Allerdings haben solche Hölzer einen entscheidenden Nachteil: Für einen Orkan wie „Kyrill“ ist es ein Leichtes, ganze Schneisen durch die Weichholzforste zu schlagen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben