Wirtschaft : Eine Million Leiharbeiter

IG Metall kritisiert Personalpolitik der Arbeitgeber

Frankfurt am Main - Schlecht und unterbezahlte Leiharbeit in Deutschland nimmt nach Ansicht der IG Metall alarmierende Ausmaße an und droht die Gesellschaft zu spalten. Diese Erkenntnis zieht die IG Metall aus einer neuen Umfrage unter Betriebsräten in 5100 Betrieben. Danach stellen die Unternehmen neue wegen der Auftragsflut notwendige Arbeitskräfte nicht fest, sondern allenfalls befristet ein oder nehmen sich Leiharbeiter. Insgesamt gibt es nach Angaben der Gewerkschaft derzeit rund eine Million Leiharbeiter.

„43 Prozent der Betriebe nutzen Leiharbeit, 42 stellen befristet ein, nur 15 Prozent decken den zusätzlichen Bedarf über unbefristete Stellen“, sagte Detlef Wetzel, stellvertretender Vorsitzender der IG Metall am Montag in Frankfurt. „Leiharbeit wird zunehmend als strategisches Instrument zur Etablierung einer neuen Billiglohnlinie genutzt.“ Wetzel forderte Bundesregierung und Arbeitgeber auf, diesen Trend zu stoppen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wies die Angaben der IG Metall zurück. „Zeitarbeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Personalpolitik. Sie ergänzt die Stammbelegschaften und verdrängt sie nicht“, sagte ein Sprecher. Zuletzt seien 200 000 zusätzliche Stammarbeitsplätze geschaffen worden, aber nur 60 000 Zeitarbeitsplätze. In der Krise habe die Quote der Zeitarbeiter bei vier Prozent gelegen, jetzt steige sie. Vor der Krise seien es sechs Prozent gewesen.

Laut Wetzel war diese Angabe schon vor zwei Jahren viel zu niedrig. Vor allem kleinere Firmen mit 1000 bis 2000 Beschäftigten setzen der Analyse der IG Metall zufolge verstärkt auf Leiharbeiter. Betroffen davon seien nicht nur gering qualifizierte Arbeitskräfte, sondern immer stärker auch Facharbeiter und Ingenieure, die dann zum Teil für acht Euro pro Stunde angeheuert würden. Der Umfrage zufolge sind in fast einem Viertel der Betriebe mindestens zehn und sogar bis zu 50 Prozent der Arbeitnehmer Leiharbeitskräfte. In 40 Prozent der Betriebe liege die Quote der Leiharbeiter schon wieder auf dem Niveau von 2008 oder sogar höher. In 20 Prozent der Unternehmen würden feste Stellen mittlerweile mit Leiharbeitern besetzt, das seien rund 2000 Unternehmen im Organisationsbereich der IG Metall, sagt Wetzel. ro

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