Wirtschaft : Eine moralische Verpflichtung

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Von Corinna Visser

Aktien sind Risikokapital. Viele Aktionäre der Deutschen Telekom haben das schmerzlich am eigenen Depot lernen müssen. Viele haben sich mit dem Kauf der TAktie nämlich zum ersten Mal auf Börsengeschäfte eingelassen. Sie mussten zusehen, wie ihr Geld zum größten Teil vernichtet wurde.

Selbst Schuld, könnte man sagen. Stimmt aber nicht ganz, wenn zwei Dinge zutreffen. Sollten die Verantwortlichen der Deutschen Telekom im Börsenprospekt tatsächlich falsche Angaben gemacht haben, dann müssen sie dafür haften. Nur muss das erst einmal bewiesen werden. Und da sieht es nicht allzu rosig aus für die Kläger. Es existieren inzwischen eine ganze Reihe von Gutachten, die zum Beispiel belegen, dass die umstrittene Bewertung des Immobilienvermögens rechtmäßig war. Darüber lässt sich streiten, der Ausgang für die Aktionäre ist ungewiss.

Die andere Sache ist so etwas wie eine moralische Verantwortung. Die T-Aktie ist einfach nicht als normale Aktie auf den Markt gekommen. Für sie wurde mit einer Medienkampagne in einem bis dato unübertroffenen Umfang geworben. Hinzu kommt, dass die T-Aktie vom Staat als Volksaktie unter die Neuaktionäre gebracht wurde – mit dem Hinweis, dass der Staat ja immer noch an dem Unternehmen beteiligt sei und dass das Papier auch prima zur Altersvorsorge tauge. Das hat viele Menschen in dem Glauben bestärkt, dass es sich hierbei um eine besonders sichere Anlage handelt. Von Risiko und Totalverlust hat die Bundesregierung jedenfalls nicht gesprochen, als sie versuchte, möglichst viel Geld einzusammeln. In diesem Punkt müssen der Staat und die Telekom vieles wieder gut machen – auch wenn sie vor Gericht nicht verurteilt werden.

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