Wirtschaft : Eine neue Architektur für das Finanzsystem

TORSTEN RIECKE

Die Staats- und Regierungschefs wollen damit neue Krisen verhindern / Lob für JapanVON TORSTEN RIECKE BIRMINGHAM.Mit einer neuen Architektur für das internationale Finanzsystem wollen die sieben führenden Industrienationen der Welt (G-7) künftige Finanzkrisen wie in Asien verhindern.Darauf haben sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen in Birmingham verständigt.Mehr Offenheit auf den Finanzmärkten, eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik und eine stärkere Einbindung der Privatwirtschaft bei der Krisenbekämpfung sind die Eckpfeiler der neuen Finanzarchitektur.Die Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Kanada, den USA und Japan trafen sich zu einer gesonderten Sitzung, bevor sie am Freitag abend den russischen Präsidenten Jelzin in ihrem exklusiven Club willkommen hießen.Stabile wirtschaftliche Verhältnisse sind nach Meinung der G-7-Länder die Voraussetzung für inflationsfreies Wachstum überall auf der Welt.Das gilt insbesondere für die Krisenregion in Asien.Obwohl die dortigen Länder die notwendigen Wirtschaftsreformen eingeleitet hätten, sei die Situation noch nicht stabil.Auf lange Sicht könnten nur eine stabilitätsorientierte Geld- und Finanzpolitik offene Märkte und Strukturreformen die betroffenen Länder aus der Krise herausführen.Der internationale Währungsfonds (IWF) soll nach dem Willen der G-7 künftig schneller als bisher alle wichtigen Informationen über die Entwicklung auf den weltweiten Finanzmärkten zur Verfügung stellen.Er ist dabei auf die Mitarbeit der einzelnen Länder angewiesen.Um das sicherzustellen, sollen jene Staaten, die eine Mitarbeit verweigern, künftig öffentlich an den Pranger gestellt werden.Der IWF wird aufgefordert seine Politik für die Öffentlichkeit transparenter zu machen.Zugleich soll die internationale Aufsicht über weltweite Kapitalbewegungen verbessert werden.Die G-7-Länder wollen prüfen, wie die Aufsichtsbehörden der einzelnen Länder enger zusammenarbeiten können, um ein internationales Kontrollnetz aufzubauen.Die Regierungschefs machten deutlich, daß sie in Zukunft von der Privatwirtschaft einen größeren Beitrag beim Krisenmanagement erwarten.Die wirtschaftliche Entwicklung in ihren eigenen Volkswirtschaften beurteilten die Regierungschefs optimistisch.Die USA, Kanada und Großbritannien sollten sicherstelle, daß ihr auf Hochtouren laufender Konjunkturmotor nicht die Inflation anheize.In Deutschland, Italien und Frankreich habe die wirtschaftliche Erholung begonnen, weitere Strukturreformen seien jedoch notwendig.Japan, das in der Vergangenheit wegen seiner wirtschaftlichen Lethargie oft am Pranger stand, bekam für die angekündigten Steuersenkungen Beifall.Die Staats- und Regierungschefs begrüßten auch ausdrücklich die Maßnahmen Nippons, die lahmende Binnennachfrage anzukurbeln.Ministerpräsident Ryutaro Hashimoto habe zugesagt, daß seine Regierung alles tun werde, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.Die Japaner verpflichteten sich ferner, den krisengeschüttelten Finanzsektor auf ein stabileres Fundament zu stellen.Der deutsche Finanzstaatssekretär Jürgen Stark sagte, von einer Konjunkturerholung in Japan könnten auch Impulse für eine Stabilisierung der Lage in den krisengeschüttelten Ländern Südostasiens ausgehen.Das japanische Konjunkturpaket im Umfang von 16 Billionen Yen (rund 210 Mrd.DM) sei in Kombination mit den geplanten Strukturreformen der richtige Weg.Er hoffe, daß dies an den internationalen Finanzmärkten ebenso gesehen werde.Im Mittelpunkt der Beratungen der G-8-Länder am Sonnabend standen unter anderem die Verschuldung in den Entwicklungsländern.Gesucht wurde nach Wegen, den Schuldendienst zu erleichtern, ohne den Reformdruck in den Schuldnerstaaten zu mindern.Darüber hinaus beschäftigten sich die Regierungschefs mit der Bekämpfung der internationalen Kriminalität und der Arbeitsmarktpolitik.

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