Wirtschaft : Eine neue Chance für Tchibo

-

Von Maurice Shahd

„Jeder für sich“ und „Einer gegen alle“: Das war jahrelang das Motto Kaufmannsfamilie Herz, den Eigentümern des Kaffeerösters Tchibo. Die fünf Geschwister hatten sich über Führung und Eigentumsverhältnisse des Unternehmens so zerstritten, dass eine Lösung kaum noch möglich erschien. Doch jetzt haben sie sich darauf verständigt, dass der langjährige TchiboChef Günter Herz und seine Schwester Daniela das Unternehmen verlassen. Die anderen Geschwister zahlen dafür mehr als vier Milliarden Euro.

Für das Unternehmen bedeutet das auf den ersten Blick eine finanzielle Schwächung. Das Ziel, den 30-Prozent-Anteil an dem erfolgreichen Kosmetikkonzern Beiersdorf aufzustocken, könnte in weite Ferne rücken. Allerdings verständigten sich die Geschwister auch darauf, bei der Übernahme von Beiersdorf wieder an einem Strang zu ziehen. Praktisch könnte das bedeuten, dass Günter und Daniela Herz das Geld aus der Abfindung zur Verfügung stellen, um weitere Beiersdorf-Anteile von der Allianz zu kaufen. Im Gegenzug müssten die anderen Geschwister Günter bei Beiersdorf freie Hand lassen und ihren eigenen Anteil als eine Art stiller Beteiligung führen. Nachdem sich die Geschwister nun formal voneinander getrennt haben, dürften die Chancen für eine Einigung gestiegen sein.

Der Nivea-Hersteller selbst macht keinen Hehl aus seiner Sympathie für einen Mehrheitseigner Tchibo. Mit Procter & Gamble steht zwar auch einer der weltweit größten Konsumgüterproduzenten bereit, um bei Beiersdorf einzusteigen. Die Amerikaner sind aber bekannt dafür, nicht gerade zimperlich mit zugekauften Unternehmen umzugehen. Interessiert sind sie nur an den profitabelsten Marken, die Produktion führen sie in größeren Fabriken zusammen. Sollte sich die Familie Herz doch noch auf eine gemeinsame Linie einigen, wäre deshalb beiden geholfen: Tchibo und Beiersdorf.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben