Wirtschaft : Eine neue Vision für den Währungsfonds

IWF soll mehr beraten und weniger finanzieren

Peter De Thier

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll sich in den kommenden Jahren zunehmend von einer multinationalen Finanzierungsorganisation zu einer Beratungsinstanz entwickeln. Der reformierte Fonds soll künftig die Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Umsetzung von Wirtschafts- und Strukturreformen sowie der Etablierung funktionsfähiger Bankensysteme und Finanzmärkte unterstützen.

Die Reform des IWF und wirksamere Maßnahmen zur Krisenprävention sollen neben der Erörterung der globalen Konjunkturaussichten im Mittelpunkt der Jahrestagung stehen, die im Anschluss an das G-7-Treffen am Samstag beginnt.

Wie aus gut unterrichtenen Kreisen im IWF verlautet, wird der geschäftsführende Direktor Rodrigo Rato die bevorstehende Jahrestagung des Währungsfonds an diesem Wochenende zum Anlass nehmen, seine „strategische Vision“ für die Zukunft des Fonds zu erläutern. Danach soll sich der IWF weniger auf die Kreditvergabe als vielmehr auf seine klassische Überwachungsfunktion, die so genannte „Surveillance“ der 184 Mitgliedsländer konzentrieren. Auch die Bundesregierung stellt sich hinter den Kurswechsel, der bereits im kommenden Jahr eingeleitet werden könnte.

Die strategische Wende ist als Fortsetzung der unter dem früheren IWF-Direktor und heutigen Bundespräsidenten Horst Köhler eingeführten Veränderungen gedacht. Während der Köhler-Ära wurde die neue Abteilung für internationale Kapitalmärkte gegründet und die Bedeutung der Finanzmarktstabilität für die Politik des Währungsfonds stärker hervorgehoben. Nun will Rato erreichen, dass diese Neuausrichtung auch in der Kreditvergabepolitik des Fonds seinen Niederschlag findet.

Ziel ist es, wie ein IWF-Offizieller im Vorfeld der Jahrestagung erklärte, „dass in einem Umfeld, wo an den Märkten weniger Kredite vergeben werden, der Währungsfonds diesem Beispiel folgt und auch kein Geld bereitstellt“. Stattdessen solle er beratend zur Seite stehen.

Beginnend mit der südasiatischen Finanzkrise der neunziger Jahre bis hin zu den Krisen in Argentinien und Brasilien sei die Kreditvergabe durch den Währungsfonds außer Kontrolle geraten, heißt es. Künftig, so die Vorgabe des neuen Direktors, müsse sich der IWF auf sein Kerngeschäft zurückbesinnen: die Unterstützung von Mitgliedsländern bei der Überbrückung kurzfristiger Zahlungsbilanzschwierigkeiten. In diesem Sinne müsse der IWF seinen Mitgliedern als „Vorbild fiskalischer Disziplin“ dienen. Um die Kreditvergabe weiterhin auf einem angemessenen Niveau zu halten, müsse der Währungsfonds aber in den kommenden Jahren über ein konstantes Budget verfügen.

Länder wie beispielsweise Nigeria, Algerien und Rumänien, die keinen unmittelbaren Kreditbedarf haben, brauchen nach Ansicht der IWF-Kreise bei Strukturreformen und der Festigung ihrer Bankensysteme und Kapitalmärkte dennoch einen „externen Anker“. Der IWF könne hier beratend zur Seite stehen, bei der Umsetzung der Reformen helfen und im Zuge der Krisenprävention Alarm schlagen, wenn Kapitalströme, die Geldmengenentwicklung oder andere Indikatoren Korrekturen erfordern. Indem der Fonds nach erfolgreich durchgeführten Reformen dem Mitgliedsland dann ein positives „Zeugnis“ ausstellt, erhalte das Land die Legitimität, um sich Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu verschaffen, und dort seinen Finanzierungsbedarf zu decken.

Auf der Jahrestagung sollen unter anderem auch Fehler bei der Überwachung – etwa in Argentinien – und neue Instrumente zur so genannten Schwachstellenanalyse in Schwellenländern diskutiert werden. Damit will IWF-Direktor Rato, der am Sonntag eine Grundsatzrede vor der Jahresversammlung halten wird, die Weichen stellen für eine baldige Umsetzung seiner strategischen Vision. Ein weiterer Kernpunkt der Jahrestagung wird die künftige Rolle des IWF in ärmeren Ländern und die Abgrenzung von den Aufgaben der Weltbank sein.

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